F Ü R T H - I N F O R M A T I O N E N 

 

Unter dieser Rubrik haben wir interessante Links und Texte zusammengetragen, die sich irgendwie mit Fürth beschäftigen.

 

Hier finden sich Artikel zur Stadtgeschichte, aber auch aktuelle Gegebenheiten und Informationen.

 

Urkunde Im PDF-Format ist hier die erstmalige urkundliche Erwähnung Fürths zu sehen.
Fürth Internetseite der Stadt Fürth.
Verkehrsinfo Aktuelle Informationen der Fürther Verkehrsbetriebe, die den öffentlichen Nahverkehr betreffen.
Nachrichten Fürther Nachrichten, Lokalzeitung.
Fußball Internetseite der Spielvereinigung Greuther-Fürth.
Stadtplan Fürther Stadtplan.
Stadtjubiläum Internetseite zum Fürther Stadtjubiläum.
Stadttheater Fürther Stadttheater
Szene Szene Fürth, Kulturveranstaltungen.
Volkshochschule Volkshochschule Fürth, vielfältiges Kursangebot.
   

__________

 

Sofern bei den nachfolgenden Artikeln keine andere Quelle angegeben ist, liegt das Copyright immer bei den Fürther Nachrichten.

 

__________

 

Entzücken über einen Blutstein 

Stadtarchiv hat „historisches Zeugnis“ der Burgfarrnbacher Geschichte geborgen

 

Quelle: FN, 24.02.2011

 

FÜRTH - Dem Stadtarchiv ist es mit Hilfe der Fürther Siebener und des Landesamts für Vermessung gelungen, einen
historischen „Blutstein“ zu bergen. Er stammt aus einer Zeit, in der in Burgfarrnbach Kapitalverbrecher vor Gericht
standen. 

Im Stadtarchiv freut man sich über die Bergung dieses Steins, der vom Gerichtsrecht der Grafen von Pückler-Limpurg kündet. 

Schon eine ganze Weile hatte Martin Schramm, der Leiter des Stadtarchivs, dem Moment entgegengefiebert, in dem er den
Stein endlich betrachten konnte. „Leider ist er schon recht stark verwittert“, bedauerte er, nachdem das Warten ein Ende
hatte. Die Freude war trotzdem riesig, handelt es sich bei dem rund 100 Kilo schweren Fundstück, auf dem die Zahl 19 noch
gut zu erkennen ist, doch um ein „historisches Zeugnis“ für ein ungewöhnliches Kapitel der Burgfarrnbacher Geschichte, auf
das Schramm in den Unterlagen des Archivs gestoßen war. 

Im Jahr 1747 hatten die Grafen von Pückler-Limpurg demnach ein besonderes Recht erworben: die Hochgerichtsbarkeit, das
Recht also, über Leben und Tod von Verbrechern zu entscheiden — von Verbrechern jedenfalls, die innerhalb der Grenzen
Burgfarrnbachs gefasst wurden.

„Historisch ist das für den fränkischen Raum ungewöhnlich“, sagt Schramm. „Auch wenn viele Adlige bei Streitigkeiten und
kleineren Strafsachen zuständig waren, wurden Kapitalverbrechen bis ins 19. Jahrhundert in der Regel vor kaiserlichen
Landgerichten, zum Beispiel in Cadolzburg, verhandelt.“ 

In Fürth freilich mischten gleich mehrere Grundherren mit; regelmäßig kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der
Dompropstei Bamberg, dem Markgrafen von Ansbach, der Reichsstadt Nürnberg und eben den Grafen, wer nun welche Vergehen
verhandeln und die damit fälligen Gebühren einnehmen durfte. „Größte Verwirrung konnte es auslösen, wenn auf dem Gebiet
eines Bamberger Untertans ein markgräflicher Untertan von einem Nürnberger verprügelt wurde, der dann auf gräfliches Gebiet
flüchtete“, sagt Schramm. 

Kindsmörderin schaffte es nicht über die Grenze 
Um die Zuständigkeitsfrage ein für alle Mal zu lösen, trat Markgraf Karl Wilhelm Friedrich dem Grafen Christian Wilhelm
Carl von Pückler sein Recht zu richten ab. „Offensichtlich hatte der Ansbacher Markgraf größeren Finanzbedarf“, meint
Schramm — er ließ sich den Verzicht jedenfalls mit 2000 rheinischen Gulden vergüten. Auch durfte, um dem Ansehen des
Markgrafen nicht zu schaden, kein öffentliches Gericht abgehalten werden. Der Richtplatz für Hinrichtungen musste jedes Mal
neu ausgewählt werden. 

Um festzulegen, wo das Gerichtsrecht galt, wurde der Bezirk mit 31 durchnummerierten Grenzsteinen, den sogenannten
„Blutsteinen“, markiert. Entscheidend waren sie beispielsweise für eine Kindsmörderin im Jahre 1777. „Sie hat es nicht über
die Grenze geschafft und kam somit vor das gräfliche Gericht“, sagt Schramm. „Ob das Urteil in Cadolzburg aber viel anders
ausgesehen hätte, ist fraglich.“ Sorgfältig wurden die Grenzen in eine farbige Karte eingetragen, die nun half, den Stein
mit der Nummer 19 zu finden. 

Schramms Ziel ist es jetzt, das „historisch-kulturell bedeutsame Objekt“ für die Zukunft zu bewahren und der
Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Voraussichtlich im Mai oder Juni soll der Stein zunächst im Rahmen der Reihe „Schätze
aus dem Archiv“ im Stadtmuseum Ludwig Erhard zu bewundern sein, später dann im Schloss Burgfarrnbach. Das Ende des
gräflichen Rechtes trat übrigens bereits wenige Jahrzehnte später ein. Mit den Rechtsreformen im neuen bayerischen
Königreich nach 1806 wurden die Pückler wie die anderen Adligen auf zivile Verfahren und
niedere Strafsachen beschränkt. 

 

__________

 

Testlauf für die neuen Pegnitzpfeile“

 

Nächste Generation von U-Bahn-Wagen kostet 85 Millionen Euro Markant ist die breite Frontscheibe - 09.03. 22:00 Uhr

 

Nürnberg/Fürth - Nach den Zügen für den fahrerlosen Betrieb hält jetzt die nächste Generation von Fahrzeugen für die Nürnberger U-Bahn Einzug bei der VAG: In der vergangenen Woche traf der achte von 14 Wagen mit Cockpit“ ein, die für den Einsatz sowohl mit Fahrer auf der U1 zwischen Nürnberg und Fürth als auch im Automatikbetrieb auf der U2 und U3 ausgelegt sind.

Zu Probefahrten waren die neuen U-Bahnen schon unterwegs. In den Türen ist ein Fahrgastzähler eingebaut.

Zu Probefahrten waren die neuen U-Bahnen schon unterwegs. In den Türen ist ein Fahrgastzähler eingebaut.

Aufmerksamen Fahrgästen sind die Neuen“ schon aufgefallen: Zu Tests und Probefahrten sind die Wagen in den Abend- und Nachtstunden schon im Untergrund unterwegs. Mit ihrer breiten, elegant geschwungenen Frontscheibe und der Lackierung gleichen sie äußerlich exakt den Triebwagen, die auf der U2 und U3 unterwegs sind.

Nur wo jetzt manche U-Bahnnutzer gerne buchstäblich in die Röhre schauen, versperrt künftig wieder eine Trennwand den direkten Ausblick. Die Innenraumgestaltung wurde ebenfalls unverändert übernommen; neu sind nur Bildschirme, die nicht nur Haltestellen, sondern auch Anschlüsse anzeigen. Mit dem zeitgemäßen Informationssystem sollen nach und nach auch die älteren Fahrzeuge ausgerüstet werden. An den Türen wird erstmals ein Fahrgastzählsystem installiert.

Neben Kameras besitzen die neuen Züge nun auch ein Cockpit für den Einsatz eines Fahrers.

Angelaufen sind unterdessen die Schulungen: Rund 300 Fahrer nicht nur die Kräfte des Kunden- und Systemservice (Kuss) müssen mit der ausgeklügelten Technik vertraut gemacht werden.

Fahrer steigen nicht mehr aus

Beim Blick in das Cockpit ahnen selbst Außenstehende, dass Bedienung und Ausstattung nur noch wenig mit den früheren Fahrpulten gemein haben. Aussteigen werden die Fahrer an den Haltestellen künftig nicht mehr. Den Bahnsteig und den Innenraum behalten sie über Monitore im Auge“, erläutert Thomas Luber, Werkstattleiter für Schienenfahrzeuge.

Alle zwei Wochen trifft ein nagelneuer Doppeltriebwagen in der U-Bahn-Werkstatt in Langwasser ein; sie ist direkt an das Schienennetz der Bahn angeschlossen. Vom Wiener Siemenswerk nach Nürnberg rollen die Wagen auf eigenen Rädern, angehängt an reguläre Güterzüge und aus Sicherheitsgründen ohne Stromabnehmer. Bis zu Tempo 80 ist erlaubt. Ehe sie auf die Reise gehen dürfen, werden sie von VAG-Mitarbeitern jeweils drei Tage lang auf mögliche Produktionsfehler unter die Lupe genommen.

Bei 30 Kilometern Kabel, 3000 Klemmen und entsprechend vielen Steckern und unendlich vielen Schrauben ist es kein Wunder, wenn irgendwo mal etwas fehlt“, gibt Bernd Meyer-Alt, Projektleiter für die Fahrzeugbeschaffung, zu bedenken. Größere Mängel müssen direkt im Werk behoben werden, Ausbesserungen etwa von Lackschäden können auch nach der Überführung erfolgen. Bis zur endgültigen Abnahme ist für jedes Fahrzeug ein umfangreiches Programm zu absolvieren. Dazu gehen im Betriebshof auch Siemens-Mitarbeiter ein und aus.

Allein zwei Wochen nehmen die Nachrüstungen und 16 Einzelprüfungen in der Halle in Anspruch. Dann folgen Tests auf dem Betriebsgelände, schließlich Schulungsfahrten auf dem gesamten Streckennetz. Solange bleiben die Fahrzeuge auch Eigentum des Herstellers.

14 Garnituren verschrottet

Luber und Meyer-Alt rechnen damit, dass die ersten DT 3-F, so die Fachbezeichnung der Wagen, im Laufe des Sommers im täglichen Betrieb zum Einsatz kommen. Spätestens zur Eröffnung der U3-Verlängerung bis Friedrich-Ebert-Platz im Dezember sollen alle 14 Doppeltriebwagen zur Verfügung stehen. Die Beschaffung schlägt mit 85 Millionen Euro zu Buche, rund ein Viertel erhält die VAG als Zuschuss. Die Fahrzeuge ersetzen zugleich U-BahnWagen der ersten Generation, von denen 14 bereits verschrottet sind. Weitere 32 sollen nach und nach noch ausgemustert werden.

 

__________

 

Einzigartiges Bahndenkmal verfällt 

Trauerspiel um den historischen Lokschuppen hinter dem U-Bahnhof Stadtgrenze - 12.03. 13:00 Uhr 

FÜRTH - Er ist vermutlich der letzte seiner Art: Der 150 Jahre alte Lokschuppen an der Stadtgrenze ist trotz jahrelanger
Rettungsversuche dem Untergang geweiht. 

Ein Bild des Jammers: Der historische Lokschuppen und die kleine Schmiede rechts daneben. Durch das marode Dach dringt
Nässe ins Mauerwerk — deutlich sichtbar an der Verfärbung der Sandsteine. 

„Die Bahn spielt auf Zeit“, sagt Baureferent Joachim Krauße. „Und lässt den Lokschuppen planmäßig verfallen“, ergänzt
Stadtheimatpfleger Alexander Mayer. Das Dach ist über weite Teile bereits eingebrochen, so dass Feuchtigkeit ungehindert in
die Sandsteinmauern dringt. Vor Gericht hat die Stadt bereits den Kürzeren gezogen, als sie die Bahn zum Erhalt des
Baudenkmals verpflichten wollte. Seit 2009 geht es nur noch um eine Notsicherung. 
Auf 20.000 Euro werden die Kosten für ein provisorisches Dach geschätzt. Weil die Stadt selbst dafür jedoch kein Geld hat,
war daran gedacht, Kräfte des Berufsbildungszentrums einzuspannen. Doch die Mittel der am Zentrum beteiligten Arge reichen
auch dafür nicht mehr. In der jüngsten Bauausschuss-Sitzung wurde deshalb an einen Einsatz des Technischen Hilfswerks
gedacht. „Das Landesamt für Denkmalschutz würde für eine Notsicherung sicher Mittel beisteuern“, meint Mayer. 

Zehn Jahre Zeit könnten nach Ansicht der Experten durch das Provisorium gewonnen werden. Zeit, die nötig ist, um für das
verkehrsungünstig gelegene Baudenkmal eine neue Nutzung zu finden. Nach Ansicht der CSU-Stadträtin und Landtagsabgeordneten
Petra Guttenberger hat es die Stadt versäumt, der Bahn ein tragfähiges Nutzungskonzept zu unterbreiten. Doch die Kommune
bemüht sich schon seit Jahren um die Wiederbelebung des historischen Gemäuers. 

Geschichtsverlust geht weiter 
Zusammen mit dem 100 Quadratmeter großen Lokschuppen steht auch das angebaute Wohnhaus mit 200 Quadratmetern aus dem Jahre
1911 auf dem insgesamt 11.000 Quadratmeter großen Gelände zum Verkauf. Die Sanierungskosten werden auf über 700.000 Euro
geschätzt, wobei der Lokschuppen allein mit etwa 230.000 Euro zu Buche schlägt. 

Gegen eine kulturelle Nutzung, wie sie bereits wiederholt angedacht worden ist, spricht die schlechte Erreichbarkeit der
Gebäude. Ein direkter Zugang könnte nur mit einer Unterführung vom U-Bahnhof Stadtgrenze aus geschaffen werden. 

Verschlechtert hat sich die Situation durch den S-Bahn-Bau. Unmittelbar neben dem Lokschuppen führt nun der neue Bahndamm
vorbei. 

Nachdem bereits 1968 das älteste Bahnwärterhäuschen Deutschlands dem U-Bahn-Bau zum Opfer gefallen war, geht der
Geschichtsverlust in der Ankunftsstadt des Adlers munter weiter. Die Bahn hat laut Mayer ausgerechnet im vergangenen
Jubiläumsjahr der ersten Deutschen Eisenbahn bei der Denkmalpflege angefragt, ob sie nicht Teile des Hauptbahnhofs abreißen
darf, denn die Eingangshalle stehe den Umbauten im Weg. Die Antwort war ein klares Nein.

 

__________

 

Riesenrad dreht sich zum Frühlingsbeginn 
Freiheit wird zum Rummelplatz, die Innenstadtläden öffnen am Sonntag die Türen - 21.03. 20:00 Uhr 

FÜRTH - Manche Fürther reiben sich verdutzt die Augen: Das Riesenrad? Um diese Jahreszeit? Richtig gesehen: Erstmals kommt
das beliebte Fahrgeschäft nicht nur zur Michaelis-Kirchweih im Herbst, sondern ein zweites Mal, beim am Samstag beginnenden
Frühlingsmarkt, zum Einsatz.

Kommendes Wochenende laden außerdem die Geschäfte zum ersten verkaufsoffenen Sonntag des Jahres ein. 

Premiere: Michael Drliczek begann am Montagnachmittag sein Riesenrad auf der Freiheit aufzubauen. Ab Sonntag wird es sich
beim Frühlingsfest drehen. 

Unter dem Motto „Fürth lässt die Puppen tanzen“ wollen die Einzelhändler gemeinsam mit dem Stadtmarketingverein „Vision
Fürth“ zwischen 13 und 18 Uhr einiges auf die Beine stellen. In der Fußgängerzone und in der Altstadt ist eine breite
Palette von Aktionen geplant. 

Von lebenden Schaufensterpuppen über durch die Einkaufsmeile spazierende Märchenfiguren bis hin zum Auftritt des Kölner
Puppentheaters, das ab 13 Uhr jeweils zur vollen Stunden Stücke zeigt, reicht das Spektrum. Zudem ist angekündigt, dass
sich „so gut wie jedes Geschäft in der Innenstadt etwas Besonderes einfallen lässt“. 

Riesige Marionetten 
Puppen der etwas größeren Art tanzen unterdessen auf der Fürther Freiheit. Hier ist am Sonntag das „Marionettentheater
Hurrrra“ zu Gast, bei dem ein drei Meter großer Stelzenläufer menschengroße Puppen an Fäden bewegt und ein spannendes
Schauspiel zeigt. 

Bis einschließlich Sonntag, 3. April, ist der Frühlingsmarkt auf der Fürther Freiheit zu Gast. Startschuss ist am Samstag
um 11 Uhr, um 14 Uhr folgt der Bieranstich mit Freibierausgabe und kostenlosem Matjesessen, danach wirft sich – passend zum
kulinarischen Angebot — der Seemannschor Nürnberg ins Zeug. 

Weitere Höhepunkte im einwöchigen Programm sind ein Familientag am Mittwoch, ein Seniorentag mit Musikprogramm am
Donnerstag, ein Abendprogramm mit Artisten, Gauklern und Feuerschluckern am Samstag, 2. April, ab 17 Uhr, sowie das bereits
traditionelle Oldtimer- und Traktorentreffen am Abschluss-Sonntag ab 11 Uhr samt Kinderprogramm und Hüpfburg. 

 

__________

 

Drei Dompteure für den Gelben Löwen 
Fürther Traditions-Wirtshaus versucht den Neustart nach fünf Monaten Renovierung - 02.04. 16:00 Uhr 

FÜRTH - Der Gelbe Löwe in der Gustavstraße brüllt wieder: Ein traditionsreiches Stück Wirtshauskultur versucht — nach
Jahren des Niedergangs, in denen die Generation Alcopop ihr Unwesen trieb — ein Fürther Pächtertrio ab diesem Wochenende
wiederzubeleben. 

Fernsehbier kommt ihnen nicht ins Fass (v.li.): die Löwen-Chefs Peter Heßler, Susanne Dresel und Helmut Ell. 

Die gute Nachricht vorweg: Der Name „Blue Note“ ist Vergangenheit. Vor rund zehn Jahren begann der unaufhaltsame Abstieg
jener Kneipe, die silberhaarige Fürther noch als Gelben Löwen kannten. Die falschen Pächter, ein immer jüngeres und immer
zugedröhnteres Publikum, Leerstände zuhauf: Keine Frage, die Adresse Gustavstraße 41 war zuletzt in der sonst recht
bissfesten Gastromeile der faule Zahn. 

Drei Fürthern und, wie sie selber sagen, Kennern der hiesigen Kneipenszene stank dies gewaltig. „Wir werden alle in diesem
Jahr 50“, so Peter Heßler auf die Frage nach der Motivation für den tollkühnen Ritt auf dem Löwen, „und da haben wir uns
gefragt: Was haben wir vor in der zweiten Hälfte unseres Lebens?“ Die Antwort liegt auf dem Holztisch. Mit Lebensgefährtin
Suse Dresel und Helmut Ell versucht der Allgemeinmediziner („Wir haben lang genug auf der anderen Seite des Tresens
gesessen“) nun Wiederbelebungsmaßnahmen an einem 102-Jährigen. 

Schon 1909 krallte sich der Gelbe Löwe Bierselige und Nachtschwärmer. Und was war er in seinen Hochzeiten nicht alles:
Tanzbar, Nachtbar, Ami-Kneipe mit Startloch für Freddy Quinns Sängerkarriere, Fürths einziger Laden mit verkürzter
Sperrzeit. Eine feine Adresse? Nein. Aber eine Institution. 

„Wir wollen ohne Schnickschnack, aber mit Sorgfalt ein Stück Fürther Wirtshauskultur zurückholen in die Gustavstraße“, so
Heßler. Bei den fünf Monate währenden Renovierungsarbeiten anno 2010/11 hat der Architekt die Holzvertäfelung von damals
wieder freigelegt. Auch die goldfarben gestrichene Decke aus den 50er Jahren ist befreit von den
Verschönerungs-Katastrophen vergangener Jahrzehnte. Damit alles zusammenkommt, was ein uriges, aber nicht schmieriges
Wirtshaus braucht, fahndete das Trio nach Mobiliar, das Geschichten erzählen könnte.

Unter den restaurierten Stühlen etwa, die Heßler & Co. im Schwarzwald auftrieben, sind Inschriften vom Weihnachtsfest
1948. Für die neue alte Optik hinterm Tresen orderten die Drei acht bierfarbene Quadratmeter Fliesen-Restposten mit
Jugendstil-Glasur, die ursprünglich für eine alteingesessene Wiener Brauerei vorgesehen waren. 

Eröffnung des Gelben Löwen in Fürth 
Der Gelbe Löwe in der Gustavstraße brüllt wieder: Ein traditionsreiches Stück Wirtshauskultur versucht ein Fürther
Pächtertrio wiederzubeleben. Zum Auftakt wurde kräftig gefeiert. 
Apropos: „Auf keinen Fall Fernsehbier“ soll aus den Zapfhähnen kommen, sondern Buttenheimer Löwenbräu, das eigens für den
Gelben Löwen aufs Fass gezogen wird. Voraussichtlich bis Sommer gibt es zunächst kalte Speisen und Vorspeisen; warme
kommen, sobald die Küche — am Standort der alten ist nun eine nagelneue WC-Anlage — im ersten Stock in Betrieb geht. Dort
bietet ab sofort auch eine „Beletage“ Platz für Hochzeiten, Geburtstags- und Vereinsfeiern. Draußen und gegenüber, vor
Hausnummer 42, bekommt der Gelbe Löwe eine Außenbestuhlung. Und die legendäre Tanzbar im hinteren Kneipenbereich? Schaut
aus wie immer, nur deutlich sauberer, wird bald auch wieder vom Verein „Szene Fürth“ genutzt und wurde mit neuer Technik
versehen. „Punktuell“, so Heßler, soll es hier Musik- und Tanzabende für jene Generation geben,
die die Stones und die Beatles nicht nur aus Opas Erzählungen kennen. 

Fürther Wirtshaus Zum Gelben Löwen, Gustavstraße 41, Tel. 7872501, dienstags bis donnerstags 16-23 Uhr, freitags und
samstags 14-1 Uhr, sonntags 14-21 Uhr. 

 

__________

 

Freie Bahn für die Fürther Rollstuhlfahrer

 

Dank eines Schulprojekts kann das Internet behinderten Menschen beim Weg durch die Stadt behilflich sein - 11.04. 13:00 Uhr

 

FÜRTH - Barrierefrei durch Fürth? In vielen Straßen entspricht das nicht der Realität. Damit Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen

sind, trotzdem schnell vorankommen, hat eine Projektgruppe der zwölften Klasse der Max-Grundig-Schule die digitale Karte wheelmap.org

erweitert.

 

Setzen sich für Menschen mit Behinderung ein: Das Wheelmap-Team aus der 12. Klasse der Max-Grundig-Schule.

 

Wie ergeht es einem Rollstuhlfahrer, wenn er einkaufen oder eine Bar besuchen möchte? Die meisten Menschen würden daran nicht

einen einzigen Gedanken verschwenden. Ganz anders die Projektgruppe aus der Klasse 12TB der Berufs- und Fachoberschule Max Grundig. Statt

eine Hausarbeit zu diesem Thema zu schreiben, nahmen sechs Schüler an einem Wettbewerb des Nachrichtenmagazins Focus teil und arbeiteten

daran, die Internetseite wheelmap.org in Fürth bekanntzumachen.

 

Der Schüler Alexander Meyer brachte sein Team auf die ausgefallene Idee. „Wheelmap gibt es bisher nur in Berlin“, sagt der 23-Jährige. Er

sei im vergangenen Jahr über das Internet darauf gestoßen. „Wir wollten etwas Soziales machen und gleichzeitig selbst aktiv werden“, fügt

Meyer hinzu. Schnell hatte er mit den Erfindern von Wheelmap, einem gemeinnützigen Netzwerk namens Sozialhelden aus Berlin, Kontakt

aufgenommen. Dann konnte es auch in Fürth losgehen: Insgesamt trug die Gruppe 200 Orte auf einer digitalen Karte ein und bewertete sie nach

bestimmten Kriterien bezüglich ihrer Barrierefreiheit. Hintergedanke bei wheelmap.org ist nämlich, dass jeder über das Internet Orte bei

Open Street Map, einer frei zugänglichen digitalen Karte, eintragen kann. Wie bei Wikipedia profitieren damit alle vom Wissen eines

Einzelnen. Passend dazu gibt es eine App für das iPhone. „Weitere Möglichkeiten für die Nutzung mit Smartphones folgen“, kündigt Alexander

Meyer an.

 

Außerdem startete die Gruppe einen Selbstversuch: Marc Lämmermann und Sebastian Kaemmerer machten sich samt Rollstuhl auf in die Fürther

Fußgängerzone. Für die beiden waren die Reaktionen erschreckend: „Wie die Leute uns angeguckt haben, das war dann schon störend“, erinnert

sich Lämmermann.

 

Die ganze Stadt erfassen

In einem kleinen Film – zu sehen auf ihrer Internetseite wheelmap.kandaras.de – zeigen die beiden die Gefahren verschiedener alltäglicher

Situationen. Mit Hilfe von Wheelmap versuchen sie jetzt, ganz Fürth nach den Kriterien der Barrierefreiheit zu erfassen.

Zeit haben sie noch: Der Wettbewerb von Focus ist noch in vollem Gange. Von der Fürther Referentin für Soziales, Jugend und Kultur,

Elisabeth Reichert, gab es für die Schüler bereits jetzt die erste Auszeichnung. Sie lud die Fachabiturienten zum Beirat für Soziales ein,

bei dem die Gruppe Wheelmap vorstellen und bekanntmachen soll.

 

Mitmachen kann jeder im Internet unter der Adresse

wheelmap.kandaras.de

 

__________

 

Millionenprojekt kommt voran 

Fürther Gemeinde Christkönig bekommt ein aufwendiges neues Pfarrzentrum - 25.07. 16:00 Uhr 

FÜRTH - Rund 4,3 Millionen Euro schultern die Erzdiözese Bamberg und die katholische Gemeinde Christkönig beim Bau des
neuen Pfarrzentrums an der Friedrich-Ebert-Straße. Jetzt wurde im Anschluss an den sonntäglichen Gottesdienst eine
steinerne Tafel eingeweiht, die an den Baubeginn erinnern soll. 

Pfarrer Markus Goller von der katholischen Gemeinde Christkönig segnet die Marmorplatte, die an die Grundsteinlegung für
das neue Pfarrzentrum erinnern soll. 

„In keiner anderen Gemeinde wird momentan derart für die Zukunft gebaut“, freut sich Pfarrer Markus Goller, der seit einem
knappen Jahr den über 6500 Katholiken im zugehörigen Sprengel zwischen Billinganlage und Hardhöhe vorsteht. Während seiner
Zeit im Ordinariat in Bamberg, war der Geistliche der Bauabteilung zugeteilt und verfügt deshalb über einen ausgezeichneten
Einblick in die Materie. 

„Für das Fertigstellungsdatum haben wir noch Platz gelassen, ich bin mir aber sicher, dass dort bald die Jahreszahl 2012
stehen wird“, wagt Goller einen Ausblick. 

Gebaut nach einem Entwurf der Architektengemeinschaft Mathias Seraphin und Christian Meisner, bietet der neue
Pfarrsaal auf gut 120 Quadratmetern Fläche ausreichend Platz für 80 Personen. Das Nutzungskonzept sieht eine pfarrinterne
Belegung ebenso vor wie eine Vermietung an externe Gruppen für Familienfeiern, Veranstaltungen,
Konzerte oder Vorträge. Als besonderer Vorteil der Stahlbeton-Konstruktion gilt das Verbindungsportal, das einen direkten
Zugang vom Kirchenschiff zum Pfarrsaal ermöglicht. 

 

__________

 

__________

 

Center verleibt sich C&A ein 

Neuer Eigentümer hat auch Textilhaus-Fläche erworben - 31.07. 22:00 Uhr 

FÜRTH - Während das von der Stadt geplante Projekt Einkaufsschwerpunkt gerade wichtige Hürden nehmen konnte, werden auch
im City-Center Nägel mit Köpfen gemacht. Wie am Freitag bekannt wurde, hat die Firma TKN, seit April neue Eigentümerin des
Fürther Einkaufstempels, jetzt die Flächen der C&A-Filiale erworben. 

Auf dem Weg nach oben: Miro Vorbauer will das Center im „mittel- bis hochpreisigen Bereich“ positionieren. 

Zur Erklärung: Das Bekleidungshaus mit den zwei Buchstaben nahm innerhalb des Center-Komplexes stets eine Sonderstellung
ein, ohne dass dies für die Kundschaft ersichtlich war: Die rund 4000 Quadratmeter auf drei Geschossen sind zwar mit dem
Rest des Gebäudes verknüpft, zählten aber nie zur Eigentümergemeinschaft, wie die restlichen 26000 Quadratmeter
Verkaufsfläche. 

Zuletzt gehörte die C&A-Filiale dem britischen Finanzinvestor Aerium; ihm habe man die Immobilie jetzt abgekauft, so
TKN-Chef Miro Vorbauer im Gespräch mit den FN. Damit untermauert Vorbauer noch einmal seinen festen Willen, das 26 Jahre
alte City-Center aus seinem Tiefschlaf zu wecken. 

Baubeginn im Januar 
Zusammengenommen kann TKN jetzt die stolze Verkaufsfläche von 30000 Quadratmetern entwickeln. Dabei sei aber klar: C&A
bleibt an seinem Platz – vielleicht sogar mit mehr Fläche, auf jeden Fall aber in neuem Gewand. Das Unternehmen habe
bereits den Willen zur Modernisierung signalisiert, sagt Vorbauer. 

Fest stehe nun auch, dass TKN im Januar mit der Center-Renovierung beginnen wird – mit Rücksicht auf die vorhandenen
Geschäfte, denen man das Weihnachtsgeschäft noch gönnen wolle. 
„Idealvorstellung“ sei die Wiedereröffnung des City-Centers im Herbst 2012. Allerdings ist wohl
angesichts des aufwendigen, 50 Millionen Euro teuren Umbaus eher mit Januar 2013 zu rechnen. 

 

__________

 

Die Tellergesichter werden nicht müde 
Auftakt zur FN-Sommerserie: 24 Stunden in der Stadt Fürth, los geht es um Mitternacht im Blauen Affen - 01.08. 13:00 Uhr 

FÜRTH - Jeder Tag hat 24 Stunden. Was geschieht in jeder einzelnen? Die Sommerserie der Fürther Nachrichten greift den
Takt auf. 24 Reportagen führen in den kommenden Wochen zu unterschiedlichen Menschen an ganz verschiedenen Orten der Stadt.
Teil eins: Schlag zwölf in der Wirtschaft. 

„Wir meditieren beim Kartoffelschälen“: Die Stunde nach Mitternacht verschlafen viele Menschen. Angie Ritter (links) und
Nalan Gök erleben den Anbruch eines neuen Tages nicht selten gut gelaunt im Blauen Affen. 

Es ist die erste Stunde des Tages und die letzte im Blauen Affen. Vielleicht. Alle Tische sind besetzt, die jungen Leute
unterhalten sich prächtig. „Schon die dritte Schicht“, sagt Nalan Gök und blinzelt gutgelaunt. Den ganzen Abend war die
Wirtschaft in der Flößaustraße sehr voll, hat sich gegen halb zwölf geleert – bis dann die Freie Christengemeinde
hineinströmte. Es kann auch zwei, drei oder vier Uhr werden, je nachdem, wie viele Gäste noch hocken. An anderen Tagen ist
um Mitternacht schon dicht. 

Das Schlusszeichen setzt die „last order“, die letzte Bestellung. Bis 2005 die Sperrzeitenregelung liberalisiert wurde,
war um ein Uhr Schluss. „Um zehn nach hat manchmal schon die Polizei dagestanden, während wir noch abkassierten“, erzählt
Angie Ritter, die mit Nalan Gök, „CD“ und einem weiteren Teilhaber den Blauen Affen eröffnet hat. In diesen Jahren mussten
sie öfter Strafe zahlen. 

Lang vorbei. So kommt’s, dass die Viererrunde am mittleren Tisch gegen halb eins die Schafkopfkarten aus dem Wandschrank
zupft. Lohnt sich das? „Wir bleiben, bis sie uns rausschmeißen“, sagt Hans, und seine Freunde Tobias, Alex und Carina
nicken. Sie kommen mehrmals im Jahr nach dem Jugendgottesdienst in der früheren US-Kapelle und mögen die entspannte
Atmosphäre im Affen. „Das ist cool. Witzig mit dem Kicker.“

Kicker und Kartoffelsalat 
Der Kicker gehört zum Blauen Affen wie das Schnitzel und der hausgemachte Kartoffelsalat. An schlechten Tagen gehen 30
Essen raus, an guten bis zu 140. „Wir meditieren beim Kartoffelschälen“, sagt Angie Ritter und zupft am zerknautschten
Küchentuch, das sie gerade aus der Hand gelegt hat. Sechs Stunden braucht allein die Vorbereitung. An langen Tagen steht
sie aber auch 13 Stunden in der Küche, bis gegen Mitternacht aufgeräumt ist. Salate gibt’s, würzige Currys und zu
Weihnachten auch Gulasch mit Pflaume und Aprikosen: „Es ist, als würden wir zu Hause für Freunde kochen.“ 

Apropos Freunde. Nalan Gök muss eben aufstehen und ein Trio, das gerade gezahlt hat, mit einer Umarmung verabschieden.
Stammgäste. Menschen, sagen Angie Ritter und Nalan Gök, „mit denen wir alt geworden sind“. Das ist ein bisschen
übertrieben, aber 17 Jahre sind eine Zeit und mittlerweile arbeiten die Kinder der ersten Gäste schon im Blauen Affen mit. 
„Unser Erfolgsrezept ist, dass bei uns alle gleich sind“, sagt Nalan Gök. Ob Notar oder Architekt, Künstler oder
Handwerker, alt oder jung: „Wir haben ganz bewusst eine Wirtschaft gewollt, und keine Szene-Kneipe, in der nur
Armani-Träger willkommen sind.“ 
Diese bunte Mischung schätzen Wolfi und Chris, beide in den 40ern und seit langem Stammgäste. „Du lernst schnell Leute
kennen“, und dann wird über den Tisch hinweg geplaudert. Das gute Essen nicht zu vergessen. 

Zeit zum Spielen haben nur die Gäste 
Mit den Wirtinnen haben die beiden ein kleines Spiel laufen: Wenn aufgegessen ist, drapieren sie Gurkenscheiben und
Olivenkerne zu Augen, die ausgepresste Zitrone zur Nase und anderes zum Mund. „Den schneiden wir mal aus einem Schnitzel“,
sagen sie und planen schon das nächste Tellergesicht. Etliche davon hat Chris auf seinem Handy gespeichert. Sie blicken
erstaunt, amüsiert und vor allem satt. 

Dann ist wieder Raucherpause. Chris, Wolfi und ihre Freunde marschieren im Gänsemarsch in den Garten oder – „bitte leise
sein“ – vors Haus.

Seit einem Jahr gilt in Bayern das strikte Rauchverbot, zum Glück für den Affen. „Davor haben meine Augen oft um sechs Uhr
schon getränt“, erinnert sich Nalan Gök, „du musstest die Leute abtasten, um zu erkennen, wer dir gegenübersitzt.“
Übertrieben – und doch irgendwie wahr.

Zurück will im Blauen Affen keiner mehr: Die Gäste bringen kleine Kinder mit, sie essen mehr und das Geschäft ist besser
geworden. So gut, dass Angie Ritter allenfalls zu Kirchweihzeiten oder an schwachen Winterabenden denkt: „Haben sie uns
heute vergessen?“ Und es muss Jahre her sein, dass sie mit den Gästen gekartelt hat. Oder Zeit hatte für eine Partie
Kicker. Vielleicht später ... 

 

__________

 

Wach fürs Nachtvolk 
Teil zwei der FN-Sommerserie: Treffpunkt Tankstelle - 03.08. 16:00 Uhr 

FÜRTH - 24 Stunden geöffnet! So werben Tankstellen und liefern rund um die Uhr Treibstoff für Maschine und Mensch. Doch
nachts ist das Treiben ein anderes als tagsüber. Für die Sommerserie, die in 24 Reportagen jede Stunde des Tages an einem
anderen Ort der Stadt abbildet, besuchten die FN eine Fürther Tankstelle in der Stunde zwischen ein und zwei Uhr. 

Manchmal hilft das Radio beim Wachbleiben: Wenn andere schlafen, hat Florian viel zu tun. Die Tankstelle wird zum
Treffpunkt von Nachtschwärmern. 

So lange sie zu zweit sind, bleibt der Laden offen. So dass Nachtschwärmer ganz normal durch die Schiebetür eintreten
können: Raucher, denen die Zigaretten ausgegangen sind. Junge Leute, die sich auf dem Weg zur Disco noch schnell eine Dose
Red Bull oder einen Schokoriegel holen. Andere wollen nur noch heim – und schaffen es nur, wenn sie die letzten fünf Euro
in den Tank stecken. Nachtvolk! Florian hat schon alles gesehen und viel erlebt, seit er in der Aral-Tankstelle an der
Nürnberger Straße aushilft. Deshalb kann sich der 21-Jährige ganz professionell das Lächeln verkneifen, als zwei junge
Frauen durch den Laden tänzeln. Das Radio dudelt „Urgent, u-u-u-urgent“ von Foreigner, die Dunkelhaarige in Schlabberhosen
schwenkt die Hüften und säuselt: „Ich will tanzen!“ Nur gut drauf oder schon angeheitert, wer will das entscheiden? 

In diesem Stadium müssen Florian und seine Kollegin Marion – die Vornamen tragen sie als Anstecker, ihre Nachnamen sollen
aus Sicherheitsgründen ungenannt bleiben – noch nicht entscheiden. Viele Kunden kaufen sich ein Bier auf den Weg, manche
eine Flasche Wein. Mehr als ein Sixpack pro Person dürfen die Angestellten nach 20 Uhr nicht herausgeben, das verbietet das
Gesetz. 

Ein kompakter Mann in Schwarz holt eine Zwei-Liter-Flasche Cola, Jugendliche legen noch ein Päckchen Kaugummi zu den
Zigaretten. „Alles bei Ihnen?“, fragt Florian und kassiert. Die Zusatzgeschäfte übersteigen den Umsatz mit Mineralstoffen
nachts bei weitem. Erstaunlich ist, wie viele Menschen Freitagnacht in der Tankstelle vorbeischauen. Es gibt dort alles
fürs Überleben. Milch, Butter, Sahne, sogar Spaghetti. Außerdem Wasser, Bier und Hochprozentiges, Motoröl, Zeitschriften,
Kondome, Chips, Blumen, Grillkohle, Brezen und Brötchen. 
Die werden frisch im Laden gebacken, und die Nachtschicht muss dafür sorgen, dass die Regale früh um fünf voll sind. Am
Schnittpunkt von Nürnberger Straße und Frankenschnellweg, die U-Bahn gleich gegenüber, holen sich viele Berufstätige ihr
Frühstück. Taxi- und Busfahrer halten, auch die Polizei schaut vorbei. Und sie nutzt die hell erleuchtete Tankstelle häufig
für Kontrollen. „Ist schon interessant, wenn der Verbandskasten gesucht oder der ganze Kofferraum ausgepackt wird“, sagt
Florian. Durch die großen Scheiben kann er alles sehen. 
„Abwechslung ist das, was ich will“, sagt er. Denn im Beruf — der gelernte Metallbearbeiter steht derzeit als freiwillig
Längerdienender in Diensten der Bundeswehr — sei er viel im Büro. Nachmittags ist der Sanitätssoldat aus Fürstenfeldbruck
gekommen und gleich zur Abendschicht gegangen. Kurz vor zwei Uhr ist er rechtschaffen müde. Da können sie im Radio flotte
Popmusik spielen, so lange sie wollen. 

Eben lässt sich eine Kundin von Kollegin Marion helfen, verstaut Limo und anderes in einer Plastiktüte. „Dann sind’s acht
Euro 77.“ — „Machen Sie neun“, sagt die Frau und wünscht ein schönes Wochenende. „Ich bin selber Bedienung, da muss man
freundlich sein!“ 
Muss man. Auch wenn Betrunkene Nachschub verlangen und nicht bekommen, oder wenn Jugendliche nicht verstehen wollen, dass
sie ihren Ausweis zeigen müssen. In solchen Situationen findet es Marion, die den Nebenjob seit fünf Jahren macht, richtig
gut, dass es den Nachtschalter gibt: Sobald ein Angestellter allein in der Tankstelle ist, bestellen die Kunden draußen.
Die Mitarbeiter sind mit einem Headset ausgestattet und holen das Gewünschte, das dann wie das Geld durch die Schublade
gereicht wird. 

Und wenn es ruhig wird und keiner kommt? Gibt es immer zu tun. Regale auffüllen, Laden rauswischen, um vier oder halb fünf
Uhr die neuen Zeitungen einräumen. Florian dreht zum Wachbleiben gern das Radio laut und singt gelegentlich mit. „Aber dann
habe ich das Mikro aus!“ 

Alles ist fertig für den Rest dieser Nacht: Das Scheibenwasser ist aufgefüllt, die Mülleimer sind geleert, die Toiletten
abgesperrt. Nur noch die Abrechnung muss er machen. Dann wird Marion die Tür versperren und das Headset aufsetzen, gute
Nacht! Und Florian? Besucht noch seine Freundin, die bei McDonald’s in der Nachtschicht arbeitet. Bevor er sich ins Bett
legt. 

 

__________

 

Die schlaflosen Retter 

Teil drei der FN-Sommerserie: In der Wache des BRK - 03.08. 09:59 Uhr 

FÜRTH - Wenn es ums Leben geht, muss der Notarzt kommen. Egal zu welcher Uhrzeit. In der BRK-Rettungswache Fürth hält
sich immer mindestens ein Team für den Notfall bereit. Auch in der Stunde zwischen 2 und 3 Uhr, dem heutigen Teil unserer
„24 Stunden“-Sommerserie, die in 24 Reportagen jede Stunde des Tages an einem anderen Ort in Fürth abbildet. 

„Es muss nicht spektakulär sein, um einem unter die Haut zu gehen“: Notärztin Birgit Stagneth und die Rettungsassistenten
Stefan Kornhaas und Hans-Jürgen Kißlinger (v. li.) sind auch nachts für den Notfall bereit. 

„Sind gerade vor zehn Minuten ausgerückt!“, sagt Isolde Plack, die Telefonistin, bedauernd. Notärztin Birgit Stagneth und
Rettungsassistent Hans-Jürgen Kißlinger sind also im Einsatz. Weil der Rettungswagen dabei nicht gebraucht wird, kann
Stefan Kornhaas, ebenfalls Rettungsassistent, zeigen, was so alles drin ist. Beatmungsgerät, Defibrillator und eine
Absauge-Vorrichtung, ein Geburtskoffer und sogar Besteck für Amputationen. Alles transportabel – denn wer kann sagen, was
im Notfall erforderlich ist. 
Immer dabei ist der Notfallkoffer, 18 Kilo schwer und gut bestückt: mit Atemmasken
und Schläuchen für die Luftröhre; Medikamente gegen Übelkeit und hohen Blutdruck, Herzstärkendes, Beruhigungs- und
Narkosemittel reihen sich auf. Enthalten sind auch Ampullen, die ein wie verrückt schlagendes Herz für ein paar Sekunden
aussetzen lassen oder einem Allergiker im Schock das Leben retten können. „Herzinfarkt, das ist für mich nach zehn Jahren
Rettungsdienst schon fast Routine“, sagt Kornhaas. Und er ist typisch für Fürth, wo, wie in allen Großstädten,
internistische Krankheiten den Rettungsdienst dominieren. Zwei Psychosen, Herzschwäche und -rhythmusstörungen,
Hyperventilation, Verdacht auf Hirnblutung – Notärztin Birgit Stagneth blättert die gelben Einsatzprotokolle ihres
Arbeitstages durch. Um 2.15 Uhr ist sie in die Wache zurückkehrt, hatte zuvor im Eigenen Heim einen unterzuckerten
Patienten behandelt. Langweilig? „Nein, schön, weil man gleich was tun kann“, sagt die 38-Jährige. 

Seit 16 Uhr schon ist die Chirurgin im Dienst, bis 8 Uhr muss sie durchhalten: „Es ist anstrengend, das mag ich nicht
wegreden, aber es ist mein Job.“ Zudem liebt die Mutter von zwei kleinen Kindern – drei und fünf Jahre – den
Rettungsdienst, weil er „ein wahnsinnig spannender Beruf“ ist. Sie trifft auf Menschen in unterschiedlichsten
Lebensverhältnissen, die immer in einer Ausnahmesituation sind. Sie arbeitet als Notärztin mit einem Team, das sie gut
kennt, und trifft die Entscheidungen allein. Oft geht es um Leben oder Tod. 

Birgit Stagneths Lippen werden schmal, wenn sie an schlimme Einsätze denkt. Die Frau, mit der sie noch gesprochen hatte
und die vor ihren Augen an einem Herzinfarkt starb. Das Mädchen, das sich vor den Zug geworfen hatte. Nach dem Einsatz
forderte das geschockte Team einen Notfallseelsorger an, um über die Eindrücke zu sprechen. 
„Es muss nicht spektakulär sein, um einem unter die Haut zu gehen“, sagt Stagneth und die Rettungsassistenten nicken
zustimmend. Gegen halb drei sitzt das Team im Pausenraum, die Hände schließen sich um Tassen mit heißem Kaffee. Die Fenster
sind weit geöffnet, damit der Zigarettenqualm abziehen kann. Auf der Bank hat jemand Sitzkissen zu einer Kopfstütze
zusammengeschoben. Einfach mal ablegen? In ruhigen Nächten findet die Notärztin ein Bett im ersten Stock, die
Rettungssanitäter suchen sich etwas Flaches. So richtig schlafen, das ist schwierig. Die Restnervosität bleibt. Schon der
nächste Kranke oder das Unfallopfer könnte ein Kind sein.

Hans-Jürgen Kißlinger, der mit 16 zum Jugendrotkreuz kam und schon über 25 Jahre ehrenamtlich Rettungsdienst fährt,
schüttelt sich bei dem Gedanken. Alles ist anders. Medikamente, Dosierungen – und vor allem: „Ein Kind darf nicht sterben.“
Komme, was wolle. Dabei liebt der Mann den Rettungsdienst offensichtlich, wenn er zusätzlich zur Arbeit als
Abteilungsleiter in einer Druckerei einmal wöchentlich Nachteinsätze beim BRK schiebt. Die Belastung ist nicht nur eine
psychische, sondern für die Sanitäter auch eine große körperliche. Sie tragen Notfallkoffer und Defibrillator oft mehrere
Etagen hinauf und schwergewichtige Patienten auf Stühlen oder im Tuch wieder hinab. 

Ärger über eine Grippe 
Was Kißlinger ärgert: Wenn Menschen den Notarzt wegen einer Grippe holen. Oder sich zehn Euro Praxisgebühr sparen wollen.
Auch das kommt vor. Genauso wie Extremsituationen. Beim Brand der ehemaligen Stadelner Spielwarenfabrik Big war Kißlinger
dabei, auch als die Pferdekutsche im Knoblauchsland verunglückte und kürzlich bei der Evakuierung des Altenheims. Wenn die
Retter bei solchen Katastrophen eintreffen, sagt Birgit Stagneth, „sind wir immer die Guten“. Anders als die Polizei. Im
Hintergrund kratzt leise der Funk, es ist gleich drei Uhr und das Team denkt schon an Ruhe und Horizontale. 

Die Telefonistin Isolde Plack steht in der Tür, wenigstens sie muss wach bleiben. Denn wenn der Doktor den Alarm
verschläft, muss sie ihn wecken. Kurz nach halb vier dann der nächste Einsatz: Verdacht auf Schlaganfall in einem
Altenheim. 

 

__________

 

Hüter der nimmermüden Roboter 

Teil vier der FN-Sommerserie: Nachtschicht beim Burgfarrnbacher Spielwaren-Hersteller Bruder - 05.08. 13:00 Uhr 

FÜRTH - Um 3 Uhr schläft die ganze Stadt: Lichter aus, Straßen leer, Betten voll. Nur wer muss, arbeitet. Zum Beispiel
die Nachtschicht bei Bruder Spielwaren in Burgfarrnbach. Ihr widmet sich die heutige Reportage unserer Sommerserie, die in
24 Folgen jede Stunde des Tages an einem anderen Ort in Fürth abbildet. 

Kritischer Blick: Cemayil Baltepe überprüft während seiner Schicht das Führerhaus eines Spielzeuglasters. 

Bitte bei „Spritzerei“ klingeln, hatte es geheißen. Wie ein Raumschiff wirkt die Fabrik in der schwarzen Nacht:
Lichtbänder umgürten die Halle, hinter den Scheiben bewegen sich Roboterarme, ein mechanisches Summen dringt bis auf den
Parkplatz an der Bernbacher Straße. Dann kommt Cemayil Baltepe ans Tor. 

Es ist drei Uhr, der Schichtführer hat kleine Augen. Nachtschicht ist nichts Ungewöhnliches für die Mitarbeiter der
Kunststoffspritzerei, denn dort wird rund um die Uhr gearbeitet. Sechs Tage pro Woche. Anders würden sich der teure
Maschinenpark und die Produktion in Deutschland für Bruder Spielwaren nicht rechnen. 

Cemayil Baltepe und seine Kollegen — ein Qualitätsprüfer, drei Verfahrensmechaniker und acht Hilfsarbeiter — tun nichts
anderes als am Tag: Sie sorgen dafür, dass die Maschinen laufen. Tausende Teile werfen die pro Stunde aus. Reifen und
Felgen für Baumaschinen, Führerhäuser und Fahrgestelle, Scheiben. Alles originalgetreu im Maßstab 1:16. Hat Cemayil Baltepe
auch ein Modell zu Hause? „Ja, natürlich!“, sagt er und seine Augen blitzen. Der neue Autokran von Liebherr hat’s dem
43-Jährigen angetan. Nicht nur, weil er seinen Teleskoparm auf 1,30 Meter
ausfahren kann, sondern weil der „sehr detailgetreu ist, das gefällt mir“. Sogar Sirene und Blinklicht können
eingeschaltet werden. In den Kartons mit den Musterexemplaren sucht er geschwind, hält seinen Autokran stolz hoch: so! 

Aber lange kann sich der Schichtführer nicht aufhalten. Die Kontrolllampe neben der Eingangstür meldet, dass der Nachschub
beim Granulat stockt. Der Rohstoff für alle Plastikbauteile lagert im Keller, wird von dort mit Sauganlagen zu den
Spritzgießmaschinen transportiert. Als Baltepe herunterkommt, hat ein Produktionshelfer schon einen Sack aufgeschnitten und
kippt Granulat nach. 

Seit einem Jahr ist Baltepe Schichtführer, seit neun Jahren schon bei Bruder. „Ich arbeite hier sehr gerne“, sagt der
Mann, der mit zwölf Jahren aus Istanbul nach Fürth kam. Auch er ist Verfahrensmechaniker und kann, wenn Not am Mann ist,
die Maschinen umrüsten — also neue Formen einbauen und anschließen. Die rund 80 Spritzgießmaschinen in der Halle kennt er
in- und auswendig und drückt auf ihren Anzeigetafeln herum wie andere im Kopf schnell mal zwei und zwei zusammenzählen:
Druck? Temperatur? Tempo? 

Denn eines sollen die CNC-Maschinen, die jeweils zwischen 100000 bis 300000 Euro kosten, nicht: stillstehen. Jeder Ausfall
kostet, es wirkt sich auf die Produktion aus, wenn beim Zusammenstecken der Modelle Teile fehlen. Deshalb hat Cemayil
Baltepe nicht nur ein Auge auf die Kontrolllampen, er hat seine Maschinen auch im Ohr. Ihr Dröhnen, Zischen, Klacken klingt
für ihn wie ein — zugegeben eintöniges — Orchesterwerk, binnen Sekunden hört er, wenn eines der Instrumente aussetzt. 

Im Moment ist alles okay, Baltepe geht in seinen Leitstand. In der meterlangen Wand stecken die Aufträge für heute,
morgen, übermorgen. Weiße Zettel für anstehende Arbeiten, gelbe für alle abgearbeiteten. Tausende Teile, jede Stunde.
Nachts genauso viele wie tagsüber. 

Aber wird man denn nicht müde? „Man muss auf seinen Schlaf achten“, ist die Erfahrung von Cemayil Baltepe. Er legt sich
schon abends vor der Nachtschicht hin, danach liegt er spätestens um neun Uhr im Bett. Das Schichtsystem von Bruder tut ein
Übriges. 60 der 320 Beschäftigten arbeiten zwei Tage Frühschicht (6.30 bis 15 Uhr), zwei Tage Spät- (15 bis 22.30 Uhr) und
zwei Tage Nachtschicht. Dann sind mindestens zwei Tage frei. Neue Erkenntnisse der Arbeitsmedizin fließen ein. Danach
sollen die Erholungsphasen zwischen den Schichtwechseln möglichst lang sein, höchstens drei Tage in der Nacht gearbeitet
werden, damit der Biorhythmus nicht ganz aus dem Takt kommt. 

Baltepes Kollege Jan Trinks liebt die Nachtschicht sogar. Wegen der Zuschläge, die bei rund 25 Prozent liegen. Aber wie
ist es mit dem toten Punkt? Wenn er kommt, holen sich die Mitarbeiter Kaffee und heiße Gemüsesuppe aus dem Automaten, sie
schnappen frische Luft und wärmen in den Pausen die mitgebrachten Speisen in der Mikrowelle auf. Wenn Arbeit ist, sagen
sie, denkt sowieso keiner über Schlaf nach. Dann müssen gefüllte Kartons gerückt, verkantete Kleinteile aus den
Lichtschranken gezupft und Maschinen umgerüstet werden. Schon für die nächste Schicht. Cemayil Baltepe hat zu tun. 

 

__________

 

Sonnenaufgang ohne streitlustige Karpfen 

Teil fünf der FN-Sommerserie: Zu Besuch bei Anglern und Enten am Waldmannsweiher - 07.08. 10:00 Uhr 

FÜRTH - Schlafen Fische nie? Für Angler ist es nicht ungewöhnlich, schon um fünf Uhr in der Früh am Ufer zu sitzen und
auf den großen Fang zu hoffen. Für unsere FN-Sommerserie, die in 24 Reportagen jede Stunde des Tages an einem anderen Ort
in Fürth abbildet, haben wir Thomas Mantel am Waldmannsweiher beobachtet. 

„Die Fische sind da, bloß wollen die nicht an den Haken“: In aller Herrgottsfrühe ist Thomas Mantel aufgestanden, um am
Waldmannsweiher zu angeln. 

Thomas Mantel schimpft leise vor sich hin. Um fünf Uhr ist es noch so dunkel, dass er sich mit den Fingern an der
Angelschnur zum Haken tasten muss. Aber wo ist jetzt der Schwimmstopper? Ohne den sinkt der Köder auf den Grund.
Theoretisch könnte dort ein Fisch gründeln, doch dem Vorsitzenden des Fischerei Vereins Fürth steht der Sinn nach
Schwimmern. Er kramt im Werkzeugkasten nach diesen Mini-Bojen und findet auch ein Knicklicht, das wenig später neongrün auf
der Oberfläche des Waldmannsweihers tanzt. 

20 Minuten dauert es, bis der Stuhl am Ufer aufgeklappt und die Halterung für die Angelruten montiert ist, die
Teleskop-Ruten lang gezogen und ein paar Maiskörner auf den Haken gesteckt sind. Mais? „Würmer haben wir auch dabei“, sagt
Ehefrau Manuela. Aber einen Regenwurm aufspießen, das mag nicht jeder. Auch Frolic und andere, schlimmer duftende Köder
finden sich im Futtereimer. Was die Fische frühstücken wollen? Das weiß auch Thomas Mantel nicht genau. Der Mais ist ein
erfolgversprechender Versuch. Denn im Waldmannsweiher schwimmen vor allem Karpfen, aber auch Hechte, Schleie und Zander,
und sogar Aale tummeln sich darin. 268 Kilo Fisch haben die Angler im Jahr 2009 aus dem See neben der Rednitz gezogen. Der
dickste Brocken: ein Karpfen von 11,6 Kilo. 

Das Wichtigste ist der Fang nicht, aber er ist das i-Tüpfelchen. Und die Mantels essen — anders als manch andere Angler —
gern Fisch. Gebacken oder in feine Streifen filetiert und als Fisch-Chips zubereitet. Dafür werfen sie in der
Morgendämmerung die Angeln aus, haben ein waches Auge auf ihre Köder und die Entenfamilie. Die flinken Küken picken an den
Schwimmern und laufen Gefahr, sich beim nächsten Auswerfen in einer Schnur zu verheddern. 

Die Wasservögel sind auf die Bank am Radweg abonniert: Von hier aus werden sie häufig gefüttert. Das wissen auch die
Fische, worauf die Angler zählen. Um halb sechs kann sich Thomas Mantel endlich setzen, seine Frau hockt vier Meter
entfernt. Darf man sprechen? „Die einen
sagen so, die anderen so“, sagt Mantel. Am Waldmannsweiher mache es wahrscheinlich keinen Unterschied, denn laut ist es
sowieso: Züge rumpeln Tag und Nacht über die Siebenbogenbrücke, Flugzeuge grollen am Himmel und tagsüber klingen
Menschenstimmen vom Wiesenweg und aus dem Scherbsgrabenbad herüber. 

Das ist am Hofweiher bei Kreben, wo die Mantels am liebsten angeln, ganz anders. „Wenn du bloß die Natur hörst, das ist
schon schön“, sagt Manuela Mantel. Dann kehrt Ruhe ein. Jeder hängt seinen Gedanken nach, man plaudert über dies und jenes.
Manchmal nur zwei Stunden, am Wochenende aber auch ganze Tage lang. 

Man kann ins Träumen kommen. Im Waldmannsweiher spiegeln sich die ersten Wolken, eine Ente platscht ins Wasser und die
Sonne klettert langsam über den Uhrenturm der Pfisterschule. Doch Thomas Mantel steht immer wieder auf, schaut auf die
reglose Schnur im See. Dann holt er den Köder ein, steckt neue Maiskörner auf. „Fische sind da, bloß wollen die nicht an
den Haken“, sagt er. Feine Kreise auf dem Wasser zeigen, wo sie nach Luft schnappen. 

Kurz vor sechs Uhr ergibt sich der 50-Jährige in sein Schicksal. Entweder sie beißen – oder nicht. Seine Frau lehnt da
schon im Klappstuhl, hat lässig ein Bein übergeschlagen und badet ihr Gesicht in der Morgensonne. Fast wie Urlaub. Die
Passanten, die in aller Frühe mit ihren
Rädern zur Arbeit fahren oder die Hunde auf der Wiese Gassi führen, schauen neidisch. 

Auch ihre Kinder haben die Mantels, die vor 16 Jahren gemeinsam den Angelschein gemacht haben, zum Hobby gebracht. Tochter
Sabrina hatte als Kind nicht achtgegeben, erinnert sich Manuela Mantel, ein Karpfen zog mitsamt der Angelrute ab. Quer
durch den Waldmannsweiher, die Angel
an der Wasseroberfläche hinter sich her schleppend. Was tun? Vater Thomas hat dann einen Drilling — einen dreizackigen
Haken — an seiner Angelrute befestigt, sie über die andere Schnur geworfen und das treibende Sportgerät mitsamt dem
rebellischen Karpfen eingeholt. Das ist
doch Anglerlatein? „Nein, Tatsache“, sagt Thomas Mantel. Wirklich. 

 

__________

 

Das Schweigen im Walde 
FN-Sommerserie: Wer Ruhe sucht, ist ganz früh am Morgen im Forst richtig - vor 9 Stunden 

FÜRTH - Der Wald steht schwarz und schweiget, heißt es bei Matthias Claudius. Von Goethe stammt: „Über allen Gipfeln ist
Ruh, in allen Wipfeln spürest du, kaum einen Hauch.“ Beide Dichter haben dem Abend gehuldigt. Aber was ist morgens um sechs
im Fürther Stadtwald? Ein Spaziergang mit der FN-Sommerserie, die jede Stunde des Tages mit einer Reportage begleitet. 

Um sechs Uhr morgens hat ein Spaziergänger den Stadtwald, jedenfalls den nördlichen Teil, noch ganz für sich allein. Am
Forsthaus laufen zur selben Zeit schon Jogger ihre ersten Runden. 

Um es gleich zu sagen: Wer wirklich allein sein will, mutterseelenallein, sollte um diese Zeit in den Wald gehen. Am
Startpunkt am Rennweg in Oberfürberg kreuzt kein Jogger, weder Hund noch Herrchen suchen Auslauf. Natur pur. Leichter
Nieselregen von oben, dampfender Wald von unten. 
Mit sanftem Plopp zerspringen die Tropfen auf dem Blätterdach. Fichten und Kiefern ragen über dem Parkplatz Am Lehmacker
auf, daneben stehen eine große Eiche und Vogelbeeren mit ihren sattroten Früchten. Die Rotkehlchen zwitschern, der freche
Eichelhäher rätscht vernehmlich, und eine Taube spaziert im Geäst wie auf einem Boulevard. 

Für die Vögel ist der neue Tag schon alt. Schon vor den ersten Sonnenstrahlen macht sich der Gartenrotschwanz bemerkbar,
in den kürzesten Nächten des Jahres ist er bereits um drei Uhr zu hören. Amsel und Zaunkönig folgen eine halbe Stunde
später. Gegen halb fünf sind Buchfink, Spatz und Star die Spätaufsteher. Doch im August ist die Brutzeit vorbei. Es macht
keinen Sinn mehr für die Vogelmänner, wenn sie sich jetzt noch in die Brust werfen, um ein Weibchen mit kunstvoller Melodie
zu betören. Oder das eigene Revier lautstark zu verteidigen. 
Auch wenn sie fliegen können: Kein Vogel hat ein Revier so groß wie der Stadtwald. 440 Hektar Grün so nahe an der
Großstadt, das ist Luxus. Auf 15 Kilometern Weg können ihn die Fürther durchstreifen, und an Samstagen und Sonntagen
besuchen bis zu 4000 Menschen diese grüne Lunge. Unter der Woche bewegen sich täglich 1700 darin. 

Aber keiner lässt sich jetzt blicken. Der Schotter knirscht unter den Füßen, der Lärm der Südwesttangente brandet an den
Waldsaum. Doch weiter innen ist es still, so als schweige der Wald auch morgens. Blätter segeln lautlos zu Boden, die
Spitzen der mächtigen Kiefern stehen auf halb acht. Die „Steckerlas“ machen 80 Prozent des Baumbestandes im Stadtwald aus.
Weitere zehn Prozent sind Tannen und Fichten, der Rest Laubbäume. Birken, Buchen, Ulmen und Eichen. Von ihnen wächst ein
ganzes Spalier neben dem Wanderweg mit dem grünen Punkt, der zur Stadtförsterei führt. So dicht, dass sie natürlich
nachgewachsen sein müssen. Zusätzlich pflanzen die Forstarbeiter jährlich rund 10000 Stecklinge. 

Wie viele Bäume es gibt im Stadtwald? Sie werden nie gezählt, nur geschätzt. 300 bis 400 Riesen sind’s pro Hektar in
wertvollen Altbeständen, ungefähr 1300 Bäume in jüngeren Waldteilen. Aber wann ist ein Baum ein Baum?, fragt Stadtförster
Martin Straußberger dann gern spitzbübisch: Wenn er zehn Zentimeter hoch ist? Einen Menschen überragt? Oder erst, wenn zwei
Hände den Stamm nicht mehr umfassen können? 

Eine respektable Birke am Wegrand ist stumpf abgebrochen. Der Zunderschwamm siedelt auf dem toten Stamm, Insekten finden
hier nahrhaften Saft und die Mikroben zerlegen schon das Holz. Der Wald ist ein Kreislauf – das streicht der Waldlehrpfad
heraus. Auf seinem höchsten Punkt ist die Specht-Werkstatt gelegen, dort klemmen die Vögel Tannenzapfen in Astgabeln und
pulen die Samen heraus. Mindestens so genüsslich wie sich die Mücken auf alles stürzen, was atmet und warm ist. Diese
Biester! An jeder Station des Lehrpfades lauern sie, unter Nistkasten 21 und 22 und in der Holzhütte südlich des
Wasserspeichers sowieso. „Bitte lärm nicht kreuz und quer, auf und ab im Wald umher. Wozu gibt es sichre Wege, denk ans
Wild und seine Hege!“, mahnt die Jägerschaft im Knittelvers. Aber noch ist keiner da, der sich daran halten könnte. 

Gedränge am Forsthaus 
Erst kurz vor 7 Uhr steigen Steffen Höpfner, 45, und Ronald Stöhr, 41, in Sportsachen aus ihren Autos. Die Männer wollen
noch eine Runde im Stadtwald drehen, bevor der Arbeitstag beginnt. Und der Hund muss ja auch raus, sagt Höpfner und öffnet
die Heckklappe. Drüben am Forsthaus, rufen sie, sei manchmal die Hölle los. So viele Jogger, jede Menge Spaziergänger mit
Hund. „Also tschüss...“ 

Nicht so im nördlichen Teil des Stadtwalds. In der Stadtförsterei bereiten um 7 Uhr die Waldarbeiter ihr Tagwerk vor. Zwei
sind zur Kulturpflege in den Zennwald beordert, Michael Schwerdt, 32, wird zum Walderlebnispfad gehen. Gestern hat der
Forstwirt den Barfußpfad erneuert, heute sind die Brücke und eine Bank der Vesperecke dran. Er legt Hammer, Rechen und eine
imposante Axt in die Schubkarre, schärft noch eben die Kette der Motorsäge und geht in den Wald. Der Regen wird stärker. 

 

__________

 

Fleißig bis zum Notruf 

Teil 12 der FN–Serie: Rundgang durch die Feuerwache - 14.08. 16:00 Uhr 

FÜRTH - Däumchendrehen? Das ist nichts für die Männer von der Berufsfeuerwehr Fürth. Wenn sie nicht gerade Brände
löschen, leisten sie Arbeitsdienst. Auch um elf Uhr morgens. Der Rundgang durch die Wache ist Teil der FN-Sommerserie, die
jede Stunde des Tages mit einer Reportage vorstellt. 

Held und Handwerker: Wer bei der Berufsfeuerwehr ist, muss keine Däumchen drehen, wenn es nicht brennt. Die Männer
reparieren ihre Geräte selbst, auch die Feuerlöscher müssen kontrolliert und befüllt werden. 

Die Kindergartenkinder sind mit Feuereifer bei der Sache. „Kräftig pumpen“, sagt Norbert Betz. Die Kleine mit den Zöpfen
legt sich ins Zeug, ihre Freundin zielt mit der Handspritze auf das Kulissenhaus. Trifft der Wasserstrahl die Flammen im
Fenster, kippt die Klappe nach hinten. Brand gelöscht! 

Wenn es nur so einfach wäre. Zweimal musste die Berufsfeuerwehr im Juli zu großen Einsätzen ausrücken, in der Angerstraße
und der Königstraße. An diesem Morgen musste bisher „nur“ eine Tür aufgebrochen werden: Ein Arzt hatte die
Rettungsleitstelle informiert, weil ein Patient nicht zum Termin gekommen war. Hilflose Person gerettet. Aber es ist nicht
so, als hätten die 18 Mann pro Schicht sonst nichts zu tun. Christian Rieck, Abteilungsleiter Technik bei der
Berufsfeuerwehr und an diesem Tag Wachabteilungsleiter, dreht eine Runde. In der Metallwerkstatt sind Martin Heid und
Gerhard Popp mit einer Motorsäge beschäftigt. Das Gerät war in Gebrauch, jetzt schärfen die Feuerwehrmänner die Kette und
prüfen den Luftfilter. Nach jedem Einsatz erneut. Ist das wirklich nötig? „Ob der Kleingärtner seinen Baum
Mittwoch oder Donnerstag fällt, spielt keine Rolle“, sagt Martin Heid. „Aber wenn Sie unter dem Baum liegen, wollen Sie
nicht Mittwoch oder Donnerstag von uns rausgeschnitten werden. Sondern gleich.“ 

Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute kann der Alarm losgehen. Wenn Feuer flackert, gefährliche Substanzen über die Straße
laufen oder ein Menschenleben auf dem Spiel steht. Dann muss alles funktionieren. Auch die große Drehleiter, die Andreas
Heckl über die Grube gefahren hat. Der gelernte Lkw-Mechaniker tauscht Plastikmanschetten, die die Stöße der hinteren Achse
dämpfen sollen und verbraucht sind. In einer Stunde ist die Reparatur erledigt. Keine große Sache — aber mühsamer als
früher. Seit November ist die Rettungsleitstelle im Nürnberger Hafen zentral für Nürnberg, Fürth und Erlangen und die
jeweiligen Landkreise zuständig; dort gehen die Notrufe ein, und dort muss auch das Fahrzeug per Fax außer Betrieb und per
Fax wieder in Betrieb genommen werden. So ist das. 

In den Sommerferien liegen etliche Werkstätten still, weil die jeweiligen Spezialisten — jeder Feuerwehrmann muss eine
handwerkliche Ausbildung abgeschlossen haben — im Urlaub sind. Da sind die Schreinerei am Fluss, die Schneiderei unterm
Dach und die Schlauchwerkstatt, die Schläuche wäscht und Flicken auf undichte Stellen klebt. In einem anderen Arbeitsraum
stehen zwei Dutzend Feuerlöscher, die von der Berufswehr befüllt werden. Im angrenzenden Labor werden Atemschutzgeräte
gesäubert und per Computer auf Leistung getestet. Schnell sind bei einem Brand wie in der Angerstraße Dutzende verbraucht. 
So wie der Taucheranzug, den Christian Rosenkranz gegen 11.30 Uhr bearbeitet. Mit der Fräse fährt er an der Halsöffnung
entlang. Die wasserdichte Gummimanschette ist eingerissen und muss erneuert werden. Auch der rote Einsatzwagen des
Stadtbrandrats ist lädiert. Eine Scheibe ist undicht, auf der Fahrerseite zeichnen sich Dellen ab. „Geht in die Werkstatt“,
entscheidet Wachabteilungsleiter Rieck. 

Was gibt es noch zu tun? Rainer Schott, der schon 30 Jahre bei der Berufsfeuerwehr Fürth ist, schraubt am Türschild der
früheren Einsatzzentrale. Im Tisch eingelassen sind das weiße und das rote Telefon, der direkte Draht zur VAG und zur Bahn.
Beide sind überflüssig, seit es die Rettungsleitstelle gibt. Auf der anderen Leitung klingelt es ohne Pause. Schott bleibt
kühl: Alarm wird über Piepser ausgelöst, die Leitstelle schickt nähere Angaben per Fax hinterher. 

Dann ist die Arbeit von Norbert Betz gefragt. Gerade hat er glückliche Kindergartenkinder entlassen, jetzt steigt er
unters Dach der Feuerwache am Helmplatz. Im Zeichenbüro erstellt er die Karten für die Feuerwehr, für jede der 700 Fürther
Straßen eine eigene. Der Anfahrtsweg ist darauf notiert, alle Gebäude, Feuerwehrzufahrten und die Hydranten. Und das Navi?
Betz schüttelt den Kopf. Wenn es buchstäblich brandeilig ist und möglicherweise Nacht, sind Karten besser geeignet: „Die
hat man in der Hand.“ 
Betz hat einen Metallberuf gelernt, sich im CAD-Zeichnen fortgebildet. Nach der Mittagspause wird er den Computer
hochfahren und zwei Stunden lang Karten zeichnen, bis für alle der Betriebssport beginnt. Er gehört zur Arbeit der
Feuerwehrmänner wie die 24-Stunden-Schichten. 

 

__________

 

Wenn der Magen knurrt 

FN-Sommerserie: Mittags wird der Hunger gestillt - 15.08. 22:00 Uhr 

FÜRTH - Im Western ist um 12 Uhr High Noon und es wird geballert, in Fürth knurrt gewöhnlich nur der Magen. Wo lässt
sich der Hunger stillen? Die FN-Sommerserie, die jede Stunde des Tages in eine Reportage fasst, hat drei Lokalitäten
besucht. 

Deftiges zur Mittagsstunde: „Mein Wort ist hier Gesetz“, hat Öchsla-Wirtin Maria Brunner (links) ihren Gästen ins
Stammbuch geschrieben, Diskussionen darüber verbieten sich. 

Marianne Winkler (rechts) und ihre Kolleginnen versorgen Hungrige an der heißen Theke der Innenstadt-Metzgerei Schäfer mit
Mahlzeiten. 

Traditionell geht es bei Maria Brunner um 12 Uhr zu. 26 Jahre schon bewirtschaftet sie die Gaststätte am Eck von
Helmstraße und Königsplatz. „Schlimmer als krank und tot, ist im Öchsla Hausverbot“ klebt an der Eingangstür – ein Satz,
den jeder Einzelne der vielen Stammgäste unterschreiben würde. Manfred Walz, 72, zum Beispiel, der seit fünf Jahren täglich
zum Essen kommt. Oder sein Gegenüber Ayhan Kanburoglu, ebenfalls 72 Jahre alt und von den Kartelbrüdern „Achala“ getauft. 

Auf der Speisekarte stehen heute Erbseneintopf mit Stadtwurst, saure Lunge mit Semmelknödel, Schnitzel, Kotelett und
Knöchla-Sülze. Wer fränkische Küche mag, ist im Öchsla richtig. Sogar der Salat schmeckt wie früher, die grünen Bohnen
quietschen. 

Maria Brunner, 62, macht alles in Personalunion. Bestellung aufnehmen, Getränke bringen, das Kotelett in der Pfanne
drehen, den Teller auf- und wieder abtragen, kassieren. Nur Freitag und Sonntag hat sie Hilfe. So hat alles seinen
Rhythmus. 

Dienstag ist Schlachtschüssel, Donnerstag Ruhetag, Freitag gibt’s Fisch und am Samstag wird gekartelt. Dann sind gleich
die ersten drei Tische reserviert und jeder kennt seinen Platz. Auch die, die Maria Brunner in die Runde geschmuggelt hat. 
Eine Postkarte mahnt gleich an der Theke: „Regierungsbezirk Maria – Mein Wort ist hier Gesetz“. Da fügen sich auch der
Oberbürgermeister und Volker Heißmann, die sich regelmäßig im Öchsla treffen („Anner allaans kummd ned“) und gerade zur Tür
hereinkommen. 

12.25 Uhr: Auf die Schnelle und am liebsten warm, so will die Kundschaft der Metzgerei Schäfer essen. Die heiße
Mittagstheke und die belegten Brötchen – Schnitzel, Käse und Tomaten und natürlich der Klassiker Leberkäs’ – gehören seit
geraumer Zeit zum Angebot. Heute gibt’s Hackbraten mit Kartoffelbrei, süß-saures Schweinefleisch mit Basmati-Reis und
hausgemachte Fleischküchle. 

In fliegendem Wechsel bedienen Bianca Heinzmann, Marianne Winkler und ihre beiden Kolleginnen die Mikrowelle oder an der
Fleischtheke. Ein älterer Kunde bestellt Rüssele. „A Nosn? An Baggn hätt’ ich auch“, sagt Bianca Heinzmann aufgeräumt und
fragt gleich, ob’s auch noch Sauerkraut sein darf. „Wenn mer an Glusderer hat“, gesteht eine Stammkundin, lohne der Gang in
die Rudolf-Breitscheid-Straße. 

Mit fleischlichen Gelüsten hat Cristo Twele auch im Stadttheater öfters zu tun, im Moment hat er vor allem Hunger.
Mittagspause. Der Meister für Veranstaltungstechnik holt mit Kollegen vom Tüv und einer anderen Firma ein Schnitzel und
Fleischküchle, bitte einpacken. 

In der Schulzeit holen sich viele Jugendliche mittags eine Kombi-Brotzeit, in den Ferien kommen vor allem Senioren zum
Mittagstisch.

„Lassen’S sich’s schmecken“, sagt Marianne Winkler und reicht einen Teller mit dampfenden Kartoffeln, Fleischküchle und
buntem Gemüse über den Tresen. 

Mit Schöpfkelle und Löffel hantiert Beate Lechner in ihrem „Suppenkaspar“. Zahlreiche Stammgäste wissen die Gerichte der
couragierten Köchin zu schätzen. 

12.45 Uhr: Nach Geschmack, nicht nach Rezept kocht Beate Lechner. Und statt Messer und Gabel wird beim „Suppenkaspar“ mit
Schöpfkelle und Löffel hantiert. Das „Brot zur Subn“ steht auf der Theke, die Chefin gleich dahinter. Sie füllt
Gemüsesuppe, Erbseneintopf und Spitzkohleintopf mit Bündle in die Schalen: „Den müssen’S amol probiern. So was Zartes!“ 
Ganz früh am Morgen schon ist der Wetterbericht das Erste, was Beate Lechner hört. Damit sie sich danach richten kann. In
einem Sommer wie diesem sind nahrhafte Eintöpfe und sämige Suppen genau das Richtige. Von sieben oder halb acht an kocht
sie dann und rührt und würzt. Nicht zu stark, vor allem nicht die Erbsen! Die haben doch schon Eigengeschmack. 
Erfahrung und Fantasie geben sich bei der couragierten Köchin – „In unserer Familie haben alle gern gekocht“ – die Hand,
zwei Jahre nach der Eröffnung floriert das Geschäft. Die Kundschaft steht im „Suppenparadies“ auch Schlange. Bis
nachmittags um drei lassen sich die Patienten der umliegenden Arztpraxen in der Königswarterstraße, die Angestellten der
Krankenkasse und Beschäftigte der Sparkasse die Teller füllen.

Beate Lechner und ihre Helferin schnippeln dann schon das Gemüse für den nächsten Tag und lassen das Gulasch für morgen
sachte köcheln. 

Das höchste Lob, das Beate Lechner kennt? Wenn ihre Gäste sich noch mal über die Lippen schlecken und sagen: „Wie bei
meiner Mutter.“ Von einem hat sich die Chefin allerdings verabschieden müssen: Von Kaltschale & Co. „Ihre Suppe wollen die
Fürther heiß.“ 

 

__________

 

Furchtlos aufs Dach 

Teil 10 der FN-Sommerserie: Morgens in luftiger Höhe - 12.08. 16:00 Uhr 

FÜRTH - Morgenstund’ hat Gold im Mund. Das gilt für Handwerker allemal. Für die FN-Sommerserie „24 Stunden“, die jede
Stunde des Tages mit einer Reportage begleitet, sind wir um neun Uhr übers Gerüst zu den Dachdeckern aufs Dach gestiegen. 

Fleißig und schwindelfrei: Mitarbeiter des Dachdeckerbetriebs Grüner sind auf dem Dach eines Unterfarrnbacher Reihenhauses
beschäftigt. Das Aufdecken mit neuen Ziegeln ist der kleinste Teil der Arbeit. 

Die Männer gehen auf der schiefen Ebene als sei’s ein Spaziergang. Dabei streckt sich der First bestimmt zehn Meter über
dem Boden. „Das ist noch eins von den kleinen Häusern“, sagt Dachdeckermeister Harald Grüner. Ein Reihenhaus in
Unterfarrnbach, das neue Ziegel brauchte und bei der Gelegenheit eine Dämmschicht verpasst bekommt. 

adServer Mineralwolle, Deckplatte, Dampfsperre. Fast 20 Zentimeter sind aufgebracht, die senkrechten Sparren schon
befestigt. Jetzt reichen sich die Dachdecker die – waagrechten – Latten und hämmern sie mit gekonnten Schlägen fest, bevor
der Geselle mit dem Akkuschrauber und spannenlangen Schrauben anrückt. „Mach’ nicht im Lot, lieber schräg. Sonst knicken
die Schrauben später unterm Gewicht der Ziegel“, sagt Harald Grüner. Gelernt ist gelernt. Jahrhundertelange Erfahrung
steckt in dem Handwerk, selbst Lattenstärke sowie Nagel- und Schraubengröße sind festgeschrieben. „Wir sind überzeugt, dass
das hält“, sagt der 49-jährige, „weil wir’s selbst gemacht haben.“ 

Vier Männer sind an diesem Morgen auf dem Dach beschäftigt. Die Gesellen Marco Holz (36) und André Dummer (38), die schon
jahrelang bei Grüner arbeiten, Ben Rodewald (19), der vor einer Woche die Gesellenprüfung abgelegt hat, und Jonas Thürigen
(22), der im September als Lehrling anfängt. Das Wetter könnte schöner nicht sein, die Sonne strahlt und ein paar
Wolkenschleier ziehen über den blitzblauen Himmel. 

Auf den Armen der Dachdecker hat der Schweiß schon einen dünnen Film gebildet. Immer wieder steigen sie die Schräge hinauf
und hinunter, die Sicherheitsschuhe im sicheren Tritt auf dünnen Latten. Geht das nicht auf die Waden? Meister Harald
Grüner, der im elterlichen Betrieb aufgewachsen ist und sich vor 15 Jahren selbstständig gemacht hat, winkt ab: „Unser
wichtigster Muskel ist zwischen den Ohren.“ 

Jedes Dach ist unterschiedlich, jeder Kunde wünscht etwas anderes. Wie in Unterfarrnbach, wo der Übergang zu den Fenstern
im ausgebauten Dachboden diffizil ist. Zudem muss der Meister bei der Materialwahl bedenken, dass die Dachrinne der
Nachbarhäuser aus Stahl ist. Wenn er mit Kupferblech abgrenzt, frisst sich von dort saures Regenwasser irgendwann durch. 
Also installieren die Gesellen Weißblech. Das wird – wie auch die Schürze am Saum der Ziegel – in der Werkstatt in
Veitsbronn von der großen Rolle geschnitten und gebogen. Maßarbeit, die millimetergenau auf die Abstände des jeweiligen
Dachs ausgerichtet ist. 

Hohl schallt das Klopfen der Dachdecker über die Wohnsiedlung, immer wieder greift Marco Holz nach der Motorsäge.
Schneidet Latten auf Stoß, sägt einen Kamm in das Kantholz auf dem First und schlägt mit dem Hammer alle Zähne ab. So,
diese Höhe passt! Sein Kollege André Dummer hat sich mit gelöcherten Blechstreifen versorgt, die er an die unterste
Dachlatte schlägt. Dort sollen sie verhindern, dass sich Wespen und anderes Getier in der Lüftungsschicht zwischen Dämmung
und Ziegel einnisten. 

Eine Woche schon arbeiten die Dachdecker an diesem Dach, ein bis zwei werden sie noch benötigen. Die alten Ziegel ab- und
die neuen aufzudecken, sagt Harald Grüner, ist der kleinste Teil der Arbeit, die auch in Zukunft nicht weniger werden wird:
Solange es regnet und stürmt und schneit, werden Dächer mit Ziegeln gedeckt werden. 

Was die Männer bei schlechtem Wetter machen? Schutt wegräumen zum Beispiel, die Fensterlaibungen abdichten oder – im
Winter – auf Dachböden die von der Energieeinsparverordnung geforderte Dämmung anbringen. Das Reihenhaus in Unterfarrnbach
wird mit seinen Werten deutlich unter den vorgeschriebenen liegen, sagt Harald Grüner. Das kostet. Zwischen 7000 und 8000
Euro allein an Material, die Arbeitsleistung auf dem Dach wird ungefähr doppelt so teuer. 

Jeden Morgen um sieben Uhr fangen die Männer an. Beladen den Transporter mit Werkzeug und Material, fahren zur Baustelle
und schnallen dann den Gürtel mit Hammer und Pappmesser und die Nageltasche um. Auf geht’s. Um halb fünf ist der Arbeitstag
zu Ende, er kann aber bei schönem Wetter auch bis abends um sieben dauern. Der Meister schaut zweifelnd nach oben. „Da
zieht sich was zusammen!“ Gewitter ist gemeldet. Dann müssen alle vom Dach – und zwar schnell. Zum Blitzableiter will
keiner werden. 

Regen und Schnee, sagt Harald Grüner, sind die schlimmsten Feinde der Dachdecker. Und ihre größten Freunde, denn sie
lassen Dächer altern und sind also „gut fürs Geschäft“. 40 Jahre allerdings sollte ein Dach schon halten, sagt der Meister. 
Er muss los. Zwei Beratungsgespräche mit Kunden, die neue Arbeit für seine Männer bedeuten. 

 

__________

 

Herr der Rechner 

Teil 14 der FN–Sommerserie: Im Backoffice der Bank - 17.08. 16:00 Uhr 

FÜRTH - Den Bankschalter kennt jeder, mit Geldautomaten sind wir per Du. Aber wer sorgt eigentlich dafür, dass alles
läuft? Das Backoffice. Beispielsweise das von der Raiffeisen-Volksbank Fürth. Für die FN-Sommerserie „24 Stunden“, die jede
Stunde des Tages mit einer Reportage begleitet, haben wir um 13 Uhr beim EDV-Spezialisten der Bank vorbeigeschaut. 

Hilfe aus dem Backoffice: Administrator Rainer Harreuther behält den Überblick, wenn bei der Raiffeisen-Volksbank Computer
nicht wollen, Chipkartenleser streiken und Telefonanlagen zicken. 

Rainer Harreuther schiebt die Salamisemmel beiseite. Das Telefon klingelt. Eigentlich dauert seine Mittagspause bis 13.15
Uhr, aber wenn seine Hilfe gefragt ist... Eine Kollegin ist am Apparat, die daheim arbeitet und sich mit dem neuen Laptop
nicht einwählen kann. „Geh offline und meld dich wieder mit deinem Benutzernamen an“, sagt Harreuther und schließt die
Augen. In seiner Vorstellung hat er die Computermaske vor sich, seine Finger tippen auf der Tischplatte wie auf einer
Tastatur. „Jetzt gibst du ,vpn’ ein“, sagt der 41-Jährige. „Und wenn’s nicht klappt, rufst du mich noch mal an!“ 

Einer von ungezählten Anrufen, die ihn täglich erreichen. Computer, die nicht wollen. Chipkartenleser, die streiken. Eine
Telefonanlage, die ab und an zickt. Kein Problem, sagt Harreuther. Gelernt freilich hat er ganz anderes: Stahlformenbauer.
Aber EDV war sein Hobby, er hat mit computergestützten Designprogrammen gearbeitet, Maschinen gesteuert und im ehemaligen
Betrieb ein Netzwerk aufgebaut. Dann fragte vor acht Jahren ein Bekannter aus der Bank: „Hast du keine Lust? Bewirb dich
einfach mal.“ 

Völliges Neuland 
Die Bank als Arbeitsplatz war damals völliges Neuland für Harreuther. Jetzt sagt er: „Wir haben auch nichts
Außergewöhnlicheres als woanders.“ Was nicht ganz stimmt. Die Raiffeisen-Volksbank Fürth ist — wie alle Banken heutzutage —
mit ihren 25000 Kunden in Stadt und Landkreis von den Computern so abhängig wie Autos vom Sprit: Ohne geht gar nichts. Das
fängt beim Kontoauszug an und geht über die Online-Überweisung bis hin zum Beratungsprotokoll, das bei Wertpapiergeschäften
erstellt werden muss. Alle Daten werden täglich abgesichert, die Verfügbarkeit der Geldautomaten in den elf Filialen der
Genossenschaftsbank liegt bei 98 Prozent. Rein rechnerisch. Aber
wehe, wenn einer mal einen halben Tag lang nicht geht! 

Rainer Harreuther bleibt gelassen. Vieles hört sich anfangs schlimmer an, als es ist. Ist der PC-Stecker am Strom? Der
Drucker installiert? Er beginnt mit einfachen Fragen und schaltet langsam hoch. Es hilft, dass er alle 90 Mitarbeiter der
Raiffeisen-Volksbank kennt und, bis auf eine Handvoll, alle duzt. „Ich weiß, wie sie denken, ich hab’ im Gefühl, was sein
könnte.“ Wenn, wie gerade eben, die Kollegin wegen eines terminierten Lastschrifteinzugs anruft, geht es sicher nicht um
Pfennigbeträge. 

Das Banksystem stellt die Firma Fiducia, alle Raiffeisenbanken hängen an ihrer Rechenzentrale in Baden-Württemberg. Wenn
ein Problem auftritt, sagt Harreuther, „mach erst mal ich, dann Karlsruhe“. Mal abgesehen von den hauseigenen Programmen
und Lotus Notes, über das nicht nur die E-Mails laufen, sondern auch Fahrzeuge reserviert und Rundschreiben versandt
werden. 

Um Viertel vor zwei Uhr schaut Bankdirektor Thomas Gimperlein zur Tür herein. Ob mit Beamer und Lautsprecher für die
Mitarbeiterversammlung alles klar ist? Aber sicher. Für die Bildschirme und Computer in elf Filialen und den schwer
gesicherten Serverraum gegenüber ist Harreuther auch zuständig. 

Die vielfältige Belastung bringt Rainer Harreuther erst auf Touren. „Es gibt keinen Alltagstrott“, sagt er. „Am Sonntag
mache ich mir immer einen Wochenplan, aber der hat sich meist Montag früh schon wieder erledigt.“ 

Drei Laptops und zwei PC sind auf und um seinen Schreibtisch gruppiert. „Ich flieg’ zu dir hin“, sagt er zum Kollegen, der
in der Filiale Burgfarrnbach keinen Zugang zu seinen E-Formularen hat, und schaltet sich auf. Ein paar Klicks... Für Rainer
Harreuther ist es normal, dass er auch am Wochenende daheim am Handy angerufen wird. „Ich bin da nicht so, ich sehe das
nicht so eng“, sagt er. Vielleicht weil er auch im Privaten viel für andere da ist. Als Feuerwehrkommandant in Weiherhof,
als einer von sieben Kreisbrandmeistern des Landkreises, als Co-Trainer einer Fußballjugend. 
Sein beruflicher Einsatz, sagt er, „wird honoriert und anerkannt, ich kann frei und selbstständig arbeiten.“ Spaß macht
die Arbeit sowieso. Aber bevor der Nächste klingelt, brüht er sich eben einen frischen Kaffee. Neben der Maschine für
Harreuthers Treibstoff — mit Milch und Süßstoff — steht auch noch der Teller mit der Salamisemmel. 

 

__________

 

Noch ein Fronmüller-Porträt fürs Stadtarchiv

Die Geschichtswerkstatt Fürth will ein weiteres historisches Bild übergeben - 17.08. 19:00 Uhr

FÜRTH - Mit etwas Glück kann die Fürther Geschichtswerkstatt dem Stadtarchiv demnächst ein weiteres Fronmüller-Porträt
aus dem 19. Jahrhundert übergeben. Bereits im März hatte sie Bilder von Angehörigen der prominenten Fürther Familie
überreicht.

Bereits im März hat der Fürther Verleger Lothar Berthold (rechts) als Vertreter der Geschichtswerkstatt zwei seltene
Bildnisse von Anna Sibilla Fronmüller und Johannes Christoph Fronmüller an Dr. Martin Schramm, den Leiter des Stadtarchivs,
übergeben.

Es handelt sich jetzt um ein Gemälde, das den späteren Fürther Stadtchronisten Georg Tobias Christoph Fronmüller im Alter
von neun Jahren zeigt. Fronmüller war von 1848 bis 1867 Leiter des Fürther Stadtkrankenhauses und veröffentlichte 1872
erstmals seine „Chronik der Stadt Fürth“. Das Gemälde aus dem Jahre 1818 ist das größte und wertvollste der Reihe. Der
Ankauf dieses Bildes wurde durch den Nachlass eines Fördermitglieds der Geschichtswerkstatt möglich. Allerdings reichen die
Mittel noch nicht vollständig aus. Deshalb hofft die Geschichtswerkstatt auf weitere spendable Bürger.

Erst dieser Tage ist, wie berichtet, mit dem ehemaligen städtischen Amtsmann Georg Fronmüller der letzte Namensträger der
berühmten Familie gestorben, aus der auch die Kirchenmusikdirektorin Frieda Fronmüller hervorgegangen ist. Eine Brücke und
eine Straße tragen in Fürth den Namen Fronmüller.

Spendenwillige können sich an Lothar Berthold, Telefon (0911) 773192, wenden. Die gemeinnützige Geschichtswerkstatt stellt
Spendenquittungen aus.

 

__________

 

Dresdner Fans verwüsten Fürther Busse 

Die infra schätzt den Sachschaden auf 15 000 Euro — „Das war der schlimmste Einsatz, den wir bisher hatten“ - vor 1
Stunde 

FÜRTH - Böses Erwachen nach der Zweitligapartie SpVgg Greuther Fürth gegen Dynamo Dresden am Samstag im Ronhof: Mehrere
Hundert randalierende Fußballfans der Gäste haben Busse der infra völlig verwüstet. Bei Polizei und infra ist Tage nach dem
Spiel die Rede von einem nicht gekannten Ausmaß der Zerstörung. 

Ein Teil der Schäden ist schon wieder beseitigt: Klaus Dieregsweiler (rechts) und Martin Bolic beschäftigen sich mit der
Abdeckung einer Dachluke, die Dresdner Hooligans kurzerhand aus ihrer Verankerung gerissen haben. 

Zunächst hatte die Polizei die Vorkommnisse als halb so wild dargestellt. Gemessen am schlechten Ruf, der dem harten Kern
der Dynamo-Fans vorauseilt, sei der Nachmittag relativ ruhig verlaufen, hieß es. Abgesehen von einer Körperverletzung — ein
Ordner erlitt beim Spiel ein Knalltrauma, nachdem im Dresdner Fanblock laute Böller gezündet worden waren — sprach die
Polizei von kleineren Sachbeschädigungen in den Stadtbussen, die die Sachsen vom Stadion zurück zum Nürnberger Hauptbahnhof
brachten. Einige Tage später hört sich das ganz anders an.

Einsatzleiter Roland Gradl: „Ich wusste von Beschädigungen, aber dieses Ausmaß war mir nicht bekannt.“ 
Die Rede ist von eingetretenen und verzogenen Türen, zerbrochenen und zerkratzten Fensterscheiben, aufgeschlitzten
Sitzkissen und herausgerissenen Sicherheitsabdeckungen der Dachluken in insgesamt sechs Bussen. Dass der Boden der
Fahrzeuge nach dem Einsatz übersät war mit leeren Bierflaschen, Bierdosen und Zigarettenkippen, betrachtet der Leiter des
infra-Verkehrsbetriebs, Klaus Dieregsweiler, als das kleinste Übel. Zurzeit werden die Busse instandgesetzt. Den Schaden
schätzt Dieregsweiler auf 15000 Euro, das Fünffache der 3000 bis 3500 Euro, die sein Unternehmen sonst pro Jahr ausgibt, um
Vandalismusschäden zu beseitigen. 

Wegen der 1:0-Niederlage von Dynamo Dresden erklärt Gradl den Gewaltausbruch mit dem „Frust nach dem Spiel“. Doch es ging
schon auf der Hinfahrt los: Mit „rhythmischem Hüpfen“, so Dieregsweiler, setzten die Fans in einem der Busse eine Technik
außer Kraft, die das Fahrzeug im Gleichgewicht hält. Sie stemmten nicht nur Türen auf, sondern rissen auch Türgummis heraus
und deaktivierten so den Einklemmschutz. Der Fahrer erhielt eine Warnmeldung. Er hatte keine Wahl, musste augenblicklich
anhalten. Der Bus blieb in der Allersberger Straße liegen — auf den Straßenbahnschienen. Während der Fahrer und ein
weiterer herbeigerufener infra-Beschäftigter die Schäden im Beisein von Spezialkräften der Polizei — deren Mannschaftsbusse
begleiteten die Fanbusse — provisorisch reparierten, stand der Straßenbahnverkehr still. Nach einer halben Stunde setzte
der Bus die Fahrt nach Fürth fort. Dort wurde er ausgetauscht. 

Bei der Rückfahrt „ging’s dann richtig los“, sagt Dieregsweiler. Ein „Chaot“ habe versucht, den Lüfter im Fahrerbereich
aus der Verankerung zu reißen, und sich über das Lenkrad gebeugt. Mitten auf dem Frankenschnellweg habe das zu einer „sehr
unsicheren Fahrsituation geführt“. Passiert ist nichts, besonnene Insassen hielten den Störer zurück. Trotzdem ist das für
Dieregsweiler „kein Spaß mehr“. Denn: „Hier stehen Menschenleben auf dem Spiel.“ 

„Seelische Gewalt“ 
Auch wenn — abgesehen von einem Dresdner, der eine Scheibe zerstörte, sich Schnittwunden zuzog und von Sanitätern
weggebracht wurde — keine Personen zu Schaden kamen, war das „mit Abstand der schlimmste Einsatz, den wir bisher hatten“
(Dieregsweiler). Gradl bestätigt: „So was hab’ ich noch nicht erlebt.“ Unvergessen dürfte den Fahrern die Tour bleiben. 
Martin Bolic, infra-Verkehrsmeister und Vorgesetzter der Busfahrer, saß selbst am Steuer. Wie seine Kollegen musste er
sich „wüste Beschimpfungen“ und Drohungen anhören. Tonart: „Wenn wir den Zug nicht erwischen, siehst du deine Familie nicht
mehr.“ Für Bolic ist das „seelische Gewalt“. Wenn man durch das Gejohle im Rücken dann noch mehr ahne als höre, dass etwas
zu Bruch geht, „dann schaltet das Gehirn auf Stress, dann macht man diesen Job und hofft, dass nicht mehr passiert“. 
Den Notrufknopf drückten er und die anderen Fahrer an diesem Tag nicht. „Wir wurden nicht körperlich bedroht“, und die
Polizei sei ja stets greifbar gewesen. In den Bussen selbst waren keine Polizisten. Gradl zufolge wollte die infra die
Stimmung nicht noch anheizen. Und Dieregsweiler versichert: „Dass das so ausartet, damit hat niemand gerechnet.“ 

 

__________

 

Der kühlste Arbeitsplatz der Stadt 
Minus 24 Grad herrschen im Tiefkühllager der Firma Nordfrost — Wärmepause nach zwei Stunden - 24.08. 13:00 Uhr 

FÜRTH - Bayern schwitzt, doch 30 Männer in Fürth lässt das ziemlich kalt: Bei minus 24 Grad Celsius im Tiefkühllager von
Nordfrost ließ sich der wohl heißeste Tag des Jahres ganz gut aushalten. Ein Abstecher zum kühlsten Arbeitsplatz der
Kleeblattstadt. 

Der Sommer bleibt draußen: Die Fachlageristen von Nordfrost bewegen sich in eisiger Kälte. Der Weg vom Sommer in den
Winter führt durch eine ganz gewöhnliche Tür. Die eisige Kälte ist bei Nordfrost in zwei gigantische Hallen
gesperrt, jede von ihnen 19 Meter hoch. Auf Regalen, die bis zur Decke reichen, stapeln sich Tausende kleiner Packungen,
die man aus dem Supermarkt kennt: Apfelrotkohl, Rahmgemüse, Leipziger Allerlei, Pfifferlinge, Spinat, Chicken Nuggets,
Königsberger Klopse. Alles tiefgefroren und mit einem feinen Eisfilm überzogen. 

Ein bisschen sieht es aus wie bei Metro oder Selgros. Wie in den Großmärkten fahren Gabelstapler durch die Gänge und
befördern die richtigen Paletten nach unten. Die Männer, die sie bedienen, tragen an diesem heißen Tag Mützen und
Handschuhe, dicke Parkas und Hosen, die an Skianzüge erinnern. Und sind froh über die Sitzheizung, mit der die Gabelstapler
ausgestattet sind. 

Unter den Füßen knirscht Schnee, doch der gehört eigentlich gar nicht hierhin, sagt Thomas Mücke, der
Niederlassungsleiter. „Das ist die Feuchtigkeit, die noch im Beton steckt.“ Vier Hallen sind seit August des vergangenen
Jahres gleich neben der stillgelegten Müllschwelbrennanlage emporgewachsen. Zwei sind seit kurzem in Betrieb, in den
anderen ist es noch warm. Sie werden erst in den nächsten Wochen langsam in Fünf-Grad-Schritten heruntergekühlt, auf etwa
minus 24 Grad. 

Die Lebensmittel, mit denen die Regale gefüllt sind, stellt Nordfrost nicht selbst her. Die Firma hat sich auf das Lagern
und den Transport von Tiefkühlgut spezialisiert. Sie ist eine Art Tiefkühltruhe und ein Logistikunternehmen mit Lkw-Flotten
sowie 34 Standorten in Deutschland und einigen im Ausland, eine Zwischenstation auf dem Weg von Herstellern wie Iglo oder
Frosta zum Supermarkt oder zu den Kantinen von Krankenhäusern und Kasernen. Zu den Kunden zählt beispielsweise Norma: 400
Filialen in Süddeutschland und Österreich werden von Fürth aus beliefert. 

Dass viele Menschen so gerne nach Tiefkühlkost greifen, kommt Nordfrost zugute: „Das Tiefkühlsegment ist enorm gewachsen“,
sagt Mücke. Die Kühlhäuser der Hersteller sind zu klein geworden, zudem ist der Unterhalt solcher Lager teuer. „Man braucht
enorm viel Strom und Spezialgeräte. Ein normaler Gabelstapler würde bei den Temperaturen eine Viertelstunde funktionieren.“ 

In der Halle wirbeln Schneeflocken durch die Luft, wenn das Rolltor hochsurrt. Die Lkw-Ladefläche kann gleich an den Raum
andocken, so wird die Kühlkette nicht für eine Sekunde unterbrochen. 

Maximal zwei Stunden am Stück müssen es die 30 Fachlageristen hier drin aushalten. Dann ist eine halbe Stunde „Wärmepause“
vorgesehen, der Kaffeeautomat steht bereit. Oft kann man aber schon früher kurz raus, erzählt Steve Schmidt, der
Schichtleiter. Er selbst sei nicht sehr kälteempfindlich, unterm Spezialanzug trägt der 26-Jährige Jeans und ein T-Shirt.
Andere kommen mit Elektrohandschuhen und heißen Einlegesohlen, aber die halten meist nicht lang durch.“ Abgesehen von der
Kälte, die in den Körper kriecht, mache manchem der schnelle Temperaturunterschied zu schaffen: Mit dem Schritt ins
Tiefkühllager ist es im Sommer gleich 55 Grad kälter. Nicht jeder Kreislauf verkraftet das. 

Schmidt indes ist seit seiner Ausbildung glücklich mit dem Beruf. Im Winter sei es zwar mitunter „schon böse“, wenn
draußen auch noch ein eisiger Wind weht. „Im Sommer aber ist es total schön, ins Kalte zu gehen — ich würd’ nix lieber
machen“. 

Für den Baggerfahrer, der in der Mittagshitze vor der Halle eine Grube gräbt und mit nacktem Oberkörper im Führerhaus
sitzt, hat er nur einen mitleidigen Blick übrig. Und wie steht’s mit dem Bauarbeiter, würde er heute gern mit Steve Schmidt
tauschen? Der Mann zögert nicht: „Auf jeden Fall.“ 

 

__________

 

Altstadtzwist: Abschied von der „Schindel“

Seit Sonntag bleibt die Kneipe in der Schindelgasse zu - Anwohnerbeschwerden wurden zur Last - 30.08. 16:00 Uhr

FÜRTH - Die Gustavstraße steht nicht mehr nur für Altstadt-Flair und nette Kneipenabende. In dem Viertel ist es ungemütlicher geworden,

seit lärmgeplagte Anwohner auf sich aufmerksam gemacht und so manchen Wirt und Gast verärgert haben. Ein bisschen ruhiger wird es nun: Die

„Schindelgasse 13“, eine Kneipe, die seit 33 Jahren zu Fürth gehört, hat zugemacht. Nicht nur, aber auch wegen der Beschwerden.

"Wie ein zweites Zuhause": Stammgäste sagen, dass die Schindelgasse 13 anders als andere Kneipen war.

Das Fachwerkhaus in der Schindelgasse 13 hat schon viele verschiedene Zeiten mitgemacht. Als sich Klaus Mau (46) und Dietmar Elster (45)

2008 entschieden, das denkmalgeschützte Haus zu kaufen, sah man ihm an, dass die Jahre zuvor nicht rosig gewesen sein konnten: „Das Haus

war komplett heruntergekommen“, erinnert sich Mau.

Er und Elster kannten die Geschichten über das Publikum, das „die Schindel“ zuletzt aufgesucht hatte. „Jugendliche Schlägertypen“, sagt Mau,

der eine ganz andere Kneipe wollte: Freundschaftlich, familiär und friedlich sollte es zugehen.

Mau und Elster brachten das alte Haus einen Sommer lang auf Vordermann, sie fanden Mieter für die Wohnungen in den oberen Stockwerken und

freuten sich über die ersten Gäste. Mau hatte mit der Quelle-Pleite gerade seine Arbeit verloren, doch das schien nur noch halb so schlimm

zu sein.

Drei Jahre später haben Mau und Elster noch einmal alle Stammgäste eingeladen. Am Samstag wurde das letzte Bier gezapft, seit Sonntagabend

bleibt „die Schindel“ zu. Ein halbes Jahr lang wollen Mau und Elster die Kneipe ruhen lassen. Und dann? „Vielleicht bauen wir die

Wirtschaft zu einer Wohnung um“, sagt Mau. Er scheint ein wenig ungläubig, dass der Traum zu Ende sein soll.

Kräftig gefeiert wurde am Samstag noch einmal in der Schindelgasse 13. Seit Sonntag bleibt die urige Kneipe in der Fürther Altstadt zu.

Anwohnerbeschwerden und Auflagen der Stadt wurden zur Belastung. Die Gründe sind vielfältig. Die Vorgeschichte der Kneipe spielt eine Rolle: Wegen des Ärgers, den es in der schmalen Gasse vor Jahren so oft gab, galten für den Biergarten eingeschränkte Freischankzeiten. Immer wieder baten die neuen Inhaber das Ordnungsamt, die Sonderregelung

aufzuheben: „Wir haben mit der Konkurrenz nicht mithalten können, im Sommer laufen uns die Gäste davon.“ Längere Ausschankzeiten aber, dafür stehen freilich gerade jetzt die Karten schlecht, wo die Stadt um einen Kompromiss zwischen Anwohnern und Wirten bemüht ist.

Leise Musik, geschlossene Fenster

Die Musik in der Kneipe musste leise sein, sagt Mau, die Fenster ab 22 Uhr geschlossen. Und dennoch gab es zuletzt einzelne Nachbarn, die

sich gestört fühlten. Im Ordnungsamt gelten die beiden Betreiber indes als „zuverlässig“, auf Nachfrage der FN sagt Leiter Hans-Peter

Kürzdörfer: „Ich würde es nicht gut finden, wenn die aufhören, die haben den Laden ordentlich geführt, das war nicht immer so.“ Aber er

verstehe auch die Anwohner: „Die Schindelgasse ist recht schmal, wenn da nachts ein paar Raucher stehen, kriegt das jeder mit.“

Das Ruhebedürfnis der Anwohner - natürlich ist es am letzten Abend Thema unter den Stammgästen der Schindelgasse, die ihr liebgewonnenes

Lokal verlieren. „Seit die beiden es übernommen haben, hat es sich doch gut entwickelt“, sagt Harald Kircher und erzählt, dass er schon vor

30 Jahren zum Dart-Spielen hierher kam. Er habe Verständnis für die Anwohner, doch hatte er den Eindruck, dass das Zusammenleben bis vor

einiger Zeit in der Schindelgasse wieder ganz gut klappte. „Es mutet seltsam an, wenn die Kritik dann von Leuten kommt, die erst vor kurzem

hergezogen sind“, sagt Klaus Tiefel, der mit am Tisch sitzt. Das Flair der Altstadt gehe so verloren.

Auslöser für die Entscheidung, die Kneipe zuzumachen, war ein Brief, der Mau vor kurzem ins Haus

flatterte. Wie von einigen anderen Gastwirten fordert die Stadtentwässerung auch von ihm einen neuen Fettabscheider, der das Fett besser

trennt und den Kanal schont. In einem denkmalgeschützten Haus aber ist der Einbau sehr schwierig, andere Städte drücken da schon mal ein

Auge zu. Bis zu 15.000 Euro kann so ein Gerät kosten - ein Betrag, den Mau und Elster nicht mehr stemmen „wollen und können“. Das Haus habe

viel Geld geschluckt, „das müssen wir jetzt erst verdienen.“ Mit anderen Jobs. Zu steinig scheint der Weg geworden zu sein.

 

__________

 

Neue Fremdsprachenschule legt los

Deutsche Angestellten-Akademie will sich in Fürth etablieren - Zweijährige Ausbildung - 13.09. 13:00 Uhr

FÜRTH - Eine Mail in Englisch schreiben, für den Chef den Brief des russischen Geschäftspartners übersetzen - in einer neuen

Berufsfachschule in Fürth lernen ab heute zwölf junge Menschen Sprachkenntnisse, die sie einmal in der freien Wirtschaft brauchen können.

 

Sie sind ab heute gefordert: Lehrer Dietmar Schmidt (v.l.), Klassenleiterin Monika Dorworth und Edelgard Scheidacker (EDV) mit Sabine Herfert (2.v.r.), DAA-Leiterin Nordbayern.

Während es in Erlangen und Nürnberg längst Schulen für Fremdsprachenberufe gibt, blieb Fürth als Standort bisher außen vor. „Das war für uns der Grund, es hier zu versuchen“, sagt Wolfgang Stark, der die neue Bildungseinrichtung im Auftrag der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) leiten wird.

Ins erste Schuljahr startet Stark mit einer Klasse und zwölf Schülern, im nächsten September sollen es schon zwei „oder besser drei“ Klassen sein. Mittelfristig sind vier das Ziel. Eine Bleibe hat die Fremdsprachenschule an der Kapellenstraße gefunden. Dort ist der Containerbau hinter dem „elan“ frei geworden, weil die Mädchen und Jungen der Grundschule Kirchenplatz in ihr frisch saniertes Schulhaus zurückkehren konnten (wir berichteten).

Nur vorübergehend

Allerdings bleibt auch die DAA nur vorübergehend an der Kapellenstraße. Schon im September 2012 bezieht sie Räume im dritten Stock der Fürther Volkshochschule (VHS), wo sie sich dauerhaft niederlassen möchte. Das Ziel ist, sich in Fürth zu etablieren, sagt Sabine Herfert, die Leiterin der DAA in Nordbayern. Eine langfristige Perspektive sei schon allein deshalb wichtig, weil die Schule die staatliche Anerkennung erst nach drei Jahren erhält - und erst dann fließen Zuschüsse. „Wir gehen hier also kräftig in Vorleistung“, sagt Herfert.

Nach ihren Worten ist die DAA an 200 Standorten in Deutschland vertreten und „deckt alles ab, was mit beruflicher Aus- und Weiterbildung zu tun hat“. Ihr nordbayerisches Hauptquartier hat die DAA in Nürnberg.

In Fürth können sich junge Menschen nun innerhalb von zwei Jahren zum staatlich geprüften Fremdsprachenkorrespondenten ausbilden lassen. Die Hauptsprache ist Englisch, als zweite Sprache können sie zwischen Spanisch und Russisch wählen. „Wir dachten erst an Französisch“, sagt Stark. Doch dann sei aus dem Arbeitskreis Schule und Wirtschaft der hiesigen Industrie- und Handelskammer (IHK) der Wunsch gekommen, Russisch anzubieten.

Erfolg im zweiten Anlauf

Während die Schüler bei der Hauptsprache Englisch Vorkenntnisse mitbringen müssen, sei das bei der zweiten Sprache nicht erforderlich. Mittlere Reife sollte man idealerweise in der Tasche haben, sagt Stark. Hauptschüler mit Quali müssten zuvor eine Englischprüfung ablegen, Gymnasiasten hingegen dürfen das erste Ausbildungsjahr überspringen. Die Schulgebühr beträgt monatlich 182 Euro.

Stark und Herfert sind froh, dass es nun im zweiten Anlauf mit der Schule klappt. Wie ebenfalls berichtet, wollten sie eigentlich schon 2010 in Räumen des ehemaligen Quelle-Kaufhauses an der Freiheit loslegen, doch das Vorhaben scheiterte. „Wir hatten zu spät begonnen, Schüler zu akquirieren“, räumt Stark ein. Außerdem seien die Mietpreise dann doch zu hoch gewesen. Ein großes Dankeschön richtet er daher an die Stadt Fürth, die tatkräftig bei der Suche nach Räumlichkeiten geholfen habe.

Die Berufsfachschule für Fremdsprachenberufe bietet auch Kurzentschlossenen Platz. Wer jetzt noch einsteigen möchte, kann sich unter der Telefonnummer (0911) 2491913 anmelden.

 

__________

 

Ein Schulzentrum für Burgfarrnbach

Mehr Platz in der Hummelstraße: Farrnbachschule gibt zwei ihrer Standorte auf - 14.09. 19:00 Uhr

FÜRTH - Das Warten auf ein Schulzentrum hat ein Ende: Seit Dienstag werden erstmals sämtliche Grundschüler aus Burgfarrnbach unter einem Dach unterrichtet.

Die beiden Schulgebäude im Burgfarrnbacher Zehentweg (rechts) und in der Lehenstraße (Hintergrund) haben ausgedient und werden vermutlich verkauft. Die Erst- und Zweitklässler lernen jetzt auch in der Hummelstraße.

Rechtzeitig zum Schulbeginn ist die Sanierung und der Ausbau der Grundschule in der Burgfarrnbacher Hummelstraße weitgehend abgeschlossen. Zwar muss der Pausenhof noch umgestaltet werden, doch Lehrer und Schüler fühlten sich am ersten Schultag schon recht wohl: Der Altbau aus den 50er Jahren beherbergt jetzt moderne Klassenzimmer - und zwar so viele, dass nun alle 220 Burgfarrnbacher Grundschüler, von der ersten bis zur vierten Klasse, im selben Gebäude lernen können. Bislang wurden die Erst- und Zweitklässler, weil die Zimmer in der Hummelstraße nicht ausreichten, an den Standorten in der Lehenstraße und im Zehentweg unterrichtet.

Vor drei Jahren verwandelte sich dann das Schulgelände an der Hummelstraße in eine Baustelle. Zunächst wurde ein Erweiterungsbau errichtet, in den die Verwaltung einzog. Vorübergehend fand dort auch der Unterricht statt, während der Altbau entkernt und aufwendig saniert wurde. Die Fassade wurde gedämmt, die Fenster und die Haustechnik wurden erneuert, Innenwände eingezogen, neue Türen, Decken und Heizkörper eingebaut. Insgesamt flossen etwa 7,4 Millionen Euro in den Standort Hummelstraße. Etwas weniger als die Hälfte der Kosten übernahm der Freistaat.

Dank des Anbaus, in dem jetzt auch der Hort untergebracht ist, werden die beiden Schulgebäude in der Lehenstraße und im Zehentweg nicht mehr gebraucht. Mit ihrem Verkauf soll wieder etwas Geld zurück in die Stadtkasse fließen. Bestehen bleibt indes die Dependance der Farrnbachschule im Unterfarrnbacher Ligusterweg, wo rund 100 Schüler aus Unterfarrnbach unterrichtet werden.

 

__________

 

Neuer S-Bahnsteig in Betrieb 

Die Bahn kündigt einen Aufzug allerdings erst für das zweite Halbjahr 2012 an - 22.11. 11:00 Uhr 

FÜRTH - Nach einem logistischen Großmanöver am Wochenende hat die Deutsche Bahn am Montagmorgen die nun viergleisig
ausgebaute Strecke zwischen Nürnberg und Fürth sowie den neuen S-Bahnsteig im Fürther Bahnhof in Betrieb genommen. 

Reger Betrieb herrschte gleich am ersten Tag auf dem neuen S-Bahnsteig in Fürth, doch zeigte die eine oder andere
Verspätung auch: Pünktlichkeit ist nach wie vor nicht garantiert. 

Alles habe geklappt, hieß es bei einer Pressekonferenz der Bahn, und zwar so gut, dass der Schienenersatzverkehr bereits
ab fünf Uhr früh und nicht erst, wie angekündigt, ab 6.30 Uhr überflüssig wurde. 

Wie berichtet, hatte das Unternehmen über den Fürther
Hauptbahnhof von Freitagabend an eine Vollsperrung verhängt, weil für den vierspurigen Ausbau umfangreiche Abstimmungen der
Signal- und Stellwerkstechnik nötig waren. Der Neustart am Montag markierte zugleich den Schlussstrich unter ein
Bauprojekt, das fünf Jahre in Anspruch genommen und 150 Millionen Euro gekostet hat. Zwischen Nürnberg und Fürth stehen nun
je zwei Gleise für den Fern- und den Regionalverkehr zur Verfügung. 

Seit Montagmorgen müssen Pendler nun auch keine Umwege mehr in Kauf nehmen, um zum S-Bahnsteig zu gelangen. Der rund 200
Meter vor dem Bahnhof befindliche provisorische Holzbahnsteig hat ausgedient, er wird nun sukzessive zurückgebaut. 

Abgelöst wurde er vom neuen S-Bahnsteig 20/21 direkt beim Bahnhofsgebäude. Erreichbar ist dieser über zwei Treppenaufgänge
von der Bahnhofsunterführung aus, die ihrerseits im S-Bahn-Bereich beträchtlich erweitert wurde. Wermutstropfen für Eltern mit
Kinderwagen und Rollstuhlfahrer: Einen Aufzug zum S-Bahnsteig gibt es vorerst nicht, er soll erst im ersten Halbjahr 2012 eingebaut
werden. 

 

__________

 

Bizarre Kampagne 

Fürth als Leuchtturm des Hofarchitekten Klenze - vor 6 Stunden 

FÜRTH - Die Eingeborenen haben es immer schon gewusst: „Färdd wärd“. Dafür wurden sie von Neidern aus der Nachbarschaft
oft belächelt, doch jetzt ist es amtlich. Bayerns Innenminister höchstpersönlich adelt den einstigen Hinterhof des Ballungsraumes und
erteilt der „Königs- und Klenzekirche“ Unsere Liebe Frau seinen Segen. Schauplatz der bizarren Zeremonie: die Kantine des Ronhofer Möbelhauses Höffner. 

Für ein „klenzendes Fürth“ begeistern sich bei Möbel Höffner (v. li.): Robert Leyh, Joachim Herrmann, Ursula Gräfin zu
Pappenheim, Hänssche Weiss und Kerstin Perschl. 

Nicht etwa, dass Joachim Herrmann an diesem Freitagabend nichts Wichtigeres zu tun hätte. Aber wenn es darum geht, der
Herrlichkeit des Königreiches Bayern zu huldigen, lässt sich der Minister natürlich nicht lumpen. Schließlich sei Klenze Ahnherr der von
ihm befehligten obersten Baubehörde gewesen, auf die Herrmann mächtig stolz ist. Unter der Überschrift „klenzendes Fürth“ ließ er in der
von Küchendampf geschwängerten Wartesaal-Atmosphäre zum neuerlichen Angriff auf einen Feind blasen, der sich feigerweise gar nicht zeigt. 

Mittelprächtiger Sakralbau 
Die Attacke reitet seit Jahrzehnten schon der tapfere Cadolzburger Historiker Robert Leyh. Er pocht darauf, dass die
Fürther Frauenkirche ein Kind des Hofarchitekten selig Leo von Klenze (1784-1864) ist. 
Die frühere Stadtheimatpflegerin Barbara Ohm hat es leichtsinnig einmal gewagt, Zweifel an seinem Vaterschaftstest
anzumelden. Wobei nüchtern betrachtet in Fürth kein Hahn danach kräht, wer letztendlich verantwortlich für den mittelprächtigen Sakralbau vor dem
Amtsgericht ist.

Überhaupt: Mit derartigen akademischen Auseinandersetzungen belastet sich eine Stadt nicht wirklich, die auf dem Sprung
zum Weltkulturerbe ist, oder zumindest ins Guinness Buch der Rekorde mit ihrer höchsten Denkmaldichte aller bayerischen Städte in Relation
zur Einwohnerzahl.
Doch wahre Klenze-Fans ficht solche Überheblichkeit nicht an. 

Toiletten vergessen 
In einer Zeremonie, die auch Priols „Anstalt“ zum Quantensprung bei der Quote verhelfen könnte, wurde mit Mitteln der
freien Rede, der Zigeunermusik und des Laienspiels zur Ehrenrettung Klenzes ausgeholt. An prominenter Unterstützung mangelte es nicht. 
Ihre Erlaucht Ursula Gräfin zu Pappenheim berichtete dem laut Dresscode in sportlich-eleganter Abendgarderobe erschienenen
Publikum, dass Klenze auch das Neue Schloss in Pappenheim konstruiert, leider nur die Toiletten vergessen habe. Weshalb man sich in
sogenannten Dunkelkammern mit Nachtgestühl behelfen musste. Leyh wiederum wusste, dass sich Klenze bei seinen Pappenheimern recht
wohlgefühlt hat.
Sogar seine Verdauung habe wesentlich besser funktioniert als in München. Wie der Hofarchitekt das mit den Toiletten dann
auf die Reihe gebracht hat, bleibt dankbare Aufgabe vertiefender Forschungen. 

Mit der Idee der Gründung eines Vereins zur Förderung von Kunst und Wissenschaft meldete sich Fürths
CSU-Landtagsabgeordnete Petra Guttenberger freiwillig an die Klenzenfront. Man könne Forschungsaufträge vergeben und das Wirken des Hofarchitekten dem gemeinen Volk verklickern, meinte sie. Aber eigentlich sei das Lehys Idee gewesen, räumte sie später ein. Der wollte sich diesen Schuh aber auch nicht wirklich anziehen. Er verglich das Vereinsprojekt dennoch mit dem legendären Ironman in Roth. Faszinierend für ihn
deshalb, weil der Tausende von Neugierigen mobilisiert hat. 
Und als ob es noch eines Beweises der „klenzenden“ Perspektiven bedurfte, lieferten ihn Leyh und Mitspieler Andi Becker in
den Rollen des Prinzregenten und dessen Spezis Klenze szenisch mit einem chaotisch improvisierten Besäufnis anno 1818 in Rom, wobei die
berauschende Idee einer Königs- und Klenzekirche für Fürth geboren wurde. 

Die Musik und das Resultat einstündiger Übung im Zusammenspiel steuerte übrigens kein Geringerer als Jazzgitarrist
Hänssche Weiss im Verein mit der Wachendorfer Violinistin Kerstin Perschl bei. 

Einziges Manko dieser denkwürdigen Veranstaltung: Die gesamte Fürther Stadtspitze hat sie sich ebenso entgehen lassen, wie
der Stadtheimatpfleger, der Geschichtsverein und weitere mit der Historie der Kleeblattstadt befassten maßgeblichen
Institutionen und Persönlichkeiten. Aber eigentlich sind diese auch völlig überflüssig, wenn ein Innenminister höchstselbst Fürth den
Ritterschlag spendet.

Ober sticht Unter. Auch das eine „klenzende“ Einrichtung. 

 

__________

 

Wo die Ollapodrida dampft 

Der Geschichtsverein pflegt eine Fürther Suppenspezialität - vor 3 Stunden 

FÜRTH - Mit seinem traditionellen Ollapodrida-Suppenessen im Gasthaus „Grüner Baum“ hat der Geschichtsverein Fürth das
laufende Jahr feierlich abgeschlossen. Neben dem kulinarischen kam dabei der kulturelle Genuss nicht zu kurz. 

Geschichtshungrig nehmen Barbara Ohm und Rolf Kimberger den Suppentopf von Michael Barth (li.) unter die Lupe. 

Nein, das Rezept wollte Gastwirt Michael Barth partout nicht verraten. Obwohl die Suppe nur einmal im Jahr auf den Tisch
kommt. Bereits zum 52. Mal feierte der Geschichtsverein Fürth mit dieser reichhaltigen Mahlzeit seinen Jahresabschluss. 

Ein wenig „Töpfe-Gogern“ war aber doch erlaubt. Und schließlich gibt es das einzig gültige und wahre Rezept für die
ursprünglich aus Spanien stammende Suppe ohnehin nicht. Immerhin, die Fürther Variante lässt sich im Stadtarchiv entdecken. „Die Ollapodrida hat im 18. Jahrhundert richtig Karriere gemacht“, erzählt Barbara Ohm, die Vereinsvorsitzende. War sie lange Zeit eher ein Arme-Leute-Essen,
begann sie vor 300 Jahren ihren Siegeszug an den Königshöfen in ganz Europa. 

In Fürth gab es damals zwar kein gekröntes Haupt, doch auch die Bürgermeister fanden die kulinarische Modeerscheinung
offenbar sehr chic.
„Die Suppe wurde am wichtigsten Tag des Jahres gekocht, wenn der Bürgermeister über Einnahmen und Ausgaben Rechenschaft
abzulegen hatte“, erklärt Ohm. Vielleicht, weil er befürchtete, nach dieser Offenlegung der städtischen Finanzen im kommenden Jahr so einen
Leckerbissen nicht noch einmal serviert zu bekommen? 

Die letzten Geheimnisse um die Zutatenliste ließen sich Wirt und Koch wie erwähnt zwar nicht entlocken, doch so viel
rückte Küchenchef Mario Müller schon heraus: eine kräftige Geflügelbrühe, dazu Krebsschwänze in Hummerbutter, Kalbsbries, Champignons und Erbsen.
Eine reichhaltige Mahlzeit, die nicht nach zusätzlichen Gängen, sondern nach einem Nachschlag aus dem Suppentopf verlangte. Sogar Casanova
und Maler Carl Spitzweg sollen der Ollapodrida einst verfallen gewesen sein. 

So gestärkt, ließen sich die gut 50 Vereinsmitglieder anschließend auf das kommende Jahresprogramm rund um das Thema
„Jüdische Geschichte und Kultur in Fürth und der Region“ einstimmen. Der Nürnberger Publizist Leibl Rosenberg gab dazu heiter-hintergründig
jüdische Geschichten, Gedichte und Witze zum Besten. Mit Exkursionen - beispielsweise nach Regensburg und Wilhermsdorf - und
Vorträgen will sich der Geschichtsverein dann 2012 schwerpunktmäßig mit diesem historischen Erbe befassen. 
www.geschichtsverein-fuerth.de 

 

__________

 

__________

 

__________

 

__________

 

__________

 

__________

 

__________

 

 

Rechtliche Hinweise entnehmen Sie bitte dem Impressum.

 

2000-2012 © Holger Ahrens | All rights reserved