G E S C H Ä F T S V O R S T E L L U N G E N
Hier veröffentlichen wir sehr gerne Informationen zum regionalen Einzelhandel.
Die hier veröffentlichten Informationen stammen entweder aus den Fürther Nachrichten, sind eigene Textveröffentlichungen oder wurden von den Einzelhändlern, Dienstleistern selbst entworfen.
Viel Spaß bei der Lektüre und beim Einkaufen!
Haushaltwaren seit fast hundert Jahren
Mit „Wolf am Bahnhof“ startet die neue FN-Serie "Geschäfte mit Geschichte" - 14.02. 22:00 Uhr
FÜRTH - Wer einem Ortsfremden die „Einkaufsstadt Fürth“ beschreiben will, landet schnell bei Zukunftsprojekten, beim City-Center und beim
Fiedler-Areal. Und bei Bäcker-Ketten, Handy- und Ein-Euro-Shops, die sich in Fürth ausbreiten wie eine ansteckende Krankheit. Dabei hat die
Einkaufsstadt“ auch andere Seiten. So gibt es eine Reihe kleinerer Läden, meist Familienbetriebe, in denen der Kunde oft Erstaunliches
erstehen kann, und das seit Generationen. Unsere neue Serie „Geschäfte mit Geschichte“ stellt einige davon vor.
„Emailletöpfe gibt’s auch nicht überall“: Marga Wolf (rechts) und ihre Tochter Cornelia Wolf sind stolz auf ihr Sortiment an
Haushaltswaren und Dekorationsartikeln.
Heute hat Heidi Kallmeyer nicht ganz so viel Glück wie sonst. Eierwärmer wollte sie kaufen. Marga Wolf bringt auch welche vor zur Kasse, nur
sehen die aus wie kleine Osterhasen. Und ausgerechnet solche will die Kundin nicht. „Naja, macht nichts“, winkt sie ab, und hat schon was
anderes entdeckt. „Die rosa Trinkflasche da, die wär’ was für meine Enkeltochter.“
Die 58-Jährige schwört auf den Laden, in dem sie gerade steht. Bei „Wolf am Bahnhof“, sagt sie, bekomme sie „praktisch immer“, was sie
suche: einen einzelnen Dichtungsring für den Schnellkochtopf, Gummiringe für die Einweckgläser und sogar eine Eierplatte. Was das ist?
Kallmeyer erklärt es schmunzelnd: „Na, so eine Platte mit lauter Vertiefungen. Das hatte man vor Jahrzehnten für russische Eier, und jetzt
ist es wieder modern. Ich hab’ die Platte meiner Tochter geschenkt, weil die sich immer meine ausgeliehen hat.“
Mit den Frauen hinterm Ladentisch schwatzt die Kundin noch ein Weilchen, ehe sie sich zum Gehen wendet. „Vorsicht Stufe“, rufen Marga und
Cornelia Wolf wie aus einem Mund und fangen an zu lachen, weil ihnen der Spruch, den sie „hundertmal am Tag“ sagen, so in Fleisch und Blut
übergegangen ist. Heidi Kallmeyer winkt gelassen ab: „Weiß ich doch.“ Dann geht sie — ohne zu stolpern.
Mühevolle Handarbeit
„Wolf am Bahnhof“ ist aus Fürth nicht wegzudenken. 1916 haben die Eheleute Johann Paul und Anna Wolf die Firma gegründet. In der Maxstraße
17 fingen sie an, mit einer Flaschnerei. „In mühevoller Handarbeit“, heißt es in einem Prospekt, wurden anfangs hauptsächlich verzinkte
Eimer und Wannen sowie Kohlenschütter hergestellt“, Behälter also, mit denen man Kohlen für Herd und Ofen vom Keller in die Wohnung trug.
Mit dem Leiterwagen zog das Paar durch die Stadt, flickte Dachrinnen, Kessel, Regenrohre. Später kamen Sanitär- und Heizungsinstallationen
dazu, und noch vor dem Umzug wurde der Handwerksbetrieb um einen Haushaltwarenladen erweitert.
Seit 1939 befinden sich Geschäft und Werkstatt in der Maxstraße 31, ganz in der Nähe des Bahnhofs. Noch immer ist der Betrieb fest in
Familienhand, inzwischen in dritter Generation. In den 50er Jahren waren die Söhne der Firmengründer, Alfred und Erich, eingestiegen. Ihre
Ehefrauen Marga und Siegrid — die erste ist jetzt 70, die zweite 78 — zogen mit. Und noch heute stehen sie, zusammen mit Marga und Alfred
Wolfs Tochter Cornelia (48) und einer Angestellten, im Geschäft.
Montags bis freitags von 8 bis 12.30 Uhr und dann wieder von 13.30 bis 18 Uhr, samstags von 8 bis 13 Uhr. „Die Stunde Pause“, sagt Marga
Wolf, „hatten wir schon immer, unsere Kunden wissen das.“ Ein Teil der Familie wohnt im Haus, kann sich mittags also in der eigenen Küche
verpflegen, und sich dann wieder gestärkt an die Arbeit machen. Für die Frauen heißt das meist: Büro oder Verkauf. Cornelia Wolfs Cousin
Horst-Peter (46) ist für die Werkstatt verantwortlich und damit für sechs Angestellte, die längst auch Solaranlagen installieren.
Manchmal ärgere sie sich ein bisschen, gesteht Cornelia Wolf augenzwinkernd beim Gespräch im „Bauch“ des Ladens, an einem Tisch, um den
Waschbecken und Wasserhähne ausgestellt sind. Denn manchmal kämen von neuen Kunden Bemerkungen wie: „Ach, Sie haben wohl erst aufgemacht?“
„Ja, vor 95 Jahren“, antworte sie dann schon mal, sagt die 48-Jährige. Auch bei Stadtfesten fühle man sich ein wenig stiefmütterlich
behandelt, fügt Siegrid Wolf hinzu. „Denn die Aktionen dazu finden leider immer in der Fußgängerzone, auf der Freiheit und am Grünen Markt,
aber nie am Bahnhofplatz statt.“
Trotzdem läuft der Laden, stimmt der Umsatz. Das versichern die drei Frauen unisono. „Unser Vorteil, auch gegenüber großer Möbelhäuser mit
Haushaltwaren-Sortiment ist“, meint Marga Wolf, „dass wir gut sortiert sind und nicht so hochtrabende Sachen haben, sondern das, was jeder
Haushalt braucht.“ Und Deko-Artikel, die seien auch wichtig. Vasen etwa und, zurzeit passend zu Ostern, schimmernde Hasen.
„Wolf am Bahnhof“, der Name steht auch für den Spagat zwischen früher und heute. Denn hier, wenige Schritte entfernt vom hochmodernen
Kühlschrank mit No-Frost-Funktion gibt es sie immer noch, die Kohlenschütter und Ölkannen für die Öfen von anno dazumal. Cornelia Wolf, die
Jüngste im Frauenteam, ist überzeugt, dass der Laden eine Zukunft hat. Nicht nur, weil er eine Brücke über die Zeiten schlägt, sondern
auch, weil es eine Gegenbewegung gebe zum Online-Shopping. „Viele Leute legen wieder Wert auf Beratung und wollen das, was sie kaufen,
vorher anschauen und anfassen.“
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Glacéhandschuhe für Glössingers
Teil zwei der Serie „Geschäfte mit Geschichte“: das Modehaus Galster - 19.02. 13:00 Uhr
FÜRTH - In unserer Serie „Geschäfte mit Geschichte“ stellen wir alteingesessene Fürther Einzelhändler vor, die den Großen ihrer Branche
ausdauernd, erfolgreich und bisweilen auch ein bisschen trotzig die Stirn bieten. Folge zwei dreht sich um das Modehaus Galster in der
Erlanger Straße.
Galster Moden, 50er Jahre: „Vorne, das ist Gusti, sie war Lehrling. Hier verkauft sie Kurzwaren, und hinten sortiert Frau Schwab, die
Verkäuferin, irgendetwas ein.“
Im Büro neben dem Verkaufsraum blättert Ursula Galster in dem DIN-A4-Ordner. Darin ist die Geschichte des Geschäfts als Sammlung
schwarz-weißer Fotografien abgeheftet. „Schauen Sie.“ Die zierliche 70-Jährige beugt sich über ein Bild, rückt an der elegant geschwungenen
Brille. Zu sehen ist eine schmale Ladentür mit einem winzigen weißen Schild, darauf eine noch winzigere Aufschrift. „L-a-u-fm-a-s-c-h-e-n“,
buchstabiert Ursula Galster und hält, für alle Fälle, eine Lupe zwischen Brille und Bild. Nein, beim besten Willen, mehr als dieses Wort
lässt sich nicht entziffern. Auch Hermann Galster (73), der hinzugetreten ist, zuckt bedauernd die Schultern. Das Wichtigste aber wissen er
und seine Frau auch so. „Früher“, sagt er, „war das Geschäft auch Annahmestelle für Laufmaschen.“ Nylonstrümpfe waren bei den Damen heiß
begehrt, doch wie schnell stahl sich eine Masche davon. Und dann? „Dann“, fährt Ursula Galster fort, „kamen die Damen hierher und ließen
den Strumpf repassieren“, die Masche auffangen.
„Ich hab’ meine Wehwehchen, aber wenn ich im Laden stehe, sind die alle weg“: Ursula Galster und ihr Mann Hermann in ihrem Modehaus an
der Erlanger Straße.
Das war nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Anfänge von Galster Moden aber reichen weiter zurück. Im Jahr 1908 eröffneten Wilhelm Hildebrandt,
der eine Mechanische Gummibandweberei leitete, und seine Frau Babette dort, wo sich der Laden noch heute befindet, eine Kurz-, Weiß- und
Wollwarenhandlung. Sie verkauften Nähgarn, Wolle, Handtücher, Bettwäsche.
Die ersten Kunden sind im Foto-Ordner verewigt, das Ehepaar Glössinger, er im feinen Zwirn, sie mit Krönchen. „Für ihre goldene Hochzeit“,
erzählt Ursula Galster, „haben sie Glacéhandschuhe für die Dame gekauft“. Es muss ein guter Kauf gewesen sein, „die Tochter der Glössingers
war mit über 80 noch immer Kundin“.
In den 20er Jahren, so Hermann Galster, der Zeit der Inflation, „als eine Rolle Garn einen Betrag mit zig Nullen gekostet hat“, übernahmen
seine Mutter Meta, die Tochter der Firmengründer, und ihr Mann Emil Galster das Geschäft. Das Sortiment änderte sich, Konfektionsware hielt
Einzug, Hemden, Krawatten und, vor allem, Kittelschürzen.
Den damaligen Alltagsdress fertigten Näherinnen in Heimarbeit. Sie nähten Schürzen mit und ohne Reißverschluss, Wickelschürzen und Schürzen
in „Kätheform“. „Die waren hinten zu knöpfen und eine Vorform zum Kleid“, erklärt Hermann Galster, der mit seinem Bruder Ludwig in den 70er
Jahren ins Geschäft einstieg.
Die Zeit der Kittelschürzen ist passé. Galster Moden bietet heute „Mode für die alterslose Frau, die mitten im (Berufs-)Leben steht und Wert
auf praktische Kombimode mit Chic legt“. Es gibt Fleece-, Woll- und Daunenjacken, Oberteile und Kombinationen, Accessoires und jede Menge
Festliches. „Oma und Opa würde das so gefallen.“ Da ist sich Ursula Galster sicher. Sie verabschiedet eine Kundin, namentlich und mit
Händedruck. Das Geschäft, sagt sie, lebt von seiner Stammkundschaft und von der Mundpropaganda. Das Gute daran: Beim Einkauf auf der
Fashion Week in München wissen Ursula Galster und ihre Assistentin Marion Heiße (49) genau, was welche ihrer Stammkundinnen tragen kann und
sehr wahrscheinlich vom Fleck weg kaufen wird. Dabei achten sie auf Schnitte, die kaschieren und doch „aufregend, elegant und extravagant“
wirken, wie die von Joseph Ribkoff. „Ribkoff“, weiß Marion Heiße, „tragen sie alle in der TV-Serie Reich und Schön.“
Zum Hundertjährigen wurde Galster Moden als „1a-Fachhändler“ ausgezeichnet. Das Lob galt dem Service. Denn anders als beim großen Modehaus
Wöhrl, dem Branchenprimus in Fürth, müssen die Kundinnen noch ein paar Stufen hochsteigen und die Ladentür selbst aufdrücken. Danach aber
werden sie von der Chefin und ihrem dreiköpfigen Verkaufsteam auf eine Weise „umsorgt“, die solch kleine Hürden rasch vergessen macht. „Wer
Mühe hat, die Schuhe aufzumachen, dann helfen wir selbstverständlich“, sagt Ursula Galster. Und Sybille Netsch (39) versichert: „Die Kundin
wird bei uns in der Kabine auch nicht allein gelassen mit ihrer Figur.“
Die Umkleidekabine. Kamm und Handspiegel hängen hier am Haken, damit die Frisur auch nach der Anprobe sitzt. Pantoletten zum Reinschlüpfen
stehen auch bereit — falls die Kundin aufwändig zu schnürende Schuhe trägt oder beim Abstecken der Hosenlänge etwas Absatz braucht.
Viel Service, und doch habe der Umsatz nachgelassen, sagt Ursula Galster. Sie erklärt es mit den Leerständen ringsum und mit der
Quelle-Pleite. „Danach haben viele Kundinnen weniger Geld ausgegeben. Sie wollten ihre entlassenen Verwandten unterstützen.“ Keine Zukunft
also für Fürths kleines Modehaus? Die Augen hinter der Brille blicken wehmütig. Tochter Carla lebt in Ulm, sie wird den Laden nicht
übernehmen. „Die Zukunft steht in den Sternen“, sagt Ursula Galster bedauernd. Doch im nächsten Augenblick versichert sie lächelnd und mit
kerzengerader Haltung: „Ich mach’ hier weiter, bis ich umfalle. Denn ich hab’ zwar meine Wehwehchen, aber wenn ich im Laden stehe, sind die
alle weg.“
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„Wennsd was brauchsd, gehsd zum Götz“
Teil drei der Serie „Geschäfte mit Geschichte“: das Elektrofachgeschäft in der Mathildenstraße - 03.03. 09:00 Uhr
FÜRTH - In der Serie „Geschäfte mit Geschichte“ stellen wir alteingesessene Fürther Einzelhändler vor, die den Großen ihrer Branche
ausdauernd, erfolgreich und bisweilen etwas trotzig die Stirn bieten. Folge drei: ein Besuch bei Elektro Götz, Mathildenstraße.
Puppenstübchen plus Beleuchtung, Staubsaugerbeutel, Sicherungen als Stückware und fränkischen Witz: Bei Elektro Götz — im Bild Dieter
und Jutta Mund — finden viele Fürther, was sie andernorts vergeblich suchen.
Es soll Menschen geben, die diese Schaufenster nie betrachten. Dabei haben die so viel zu zeigen, dass es mitunter eng wird darin: Lampen,
die stehen; Lampen, die hängen; Stapel von Kartons mit Elektrokleingerät und, auch Anfang März, daumengroße Christbäumchen und
Lagerfeuerchen für heimelige Weihnachtskrippen. Dass einem Irrtum aufsitzt, wer glaubt, Krippenschmuck habe im Frühjahr keine Saison, ist
im Laden zu erfahren. „Das Krippenzeug“, versichert Dieter Mund im Brustton der Überzeugung, „das geht immer.“
Der 57-Jährige muss es wissen, er ist lang genug im Geschäft, auch wenn der Laden, den er mit Ehefrau Jutta (53) betreibt, noch länger
läuft. Firmengründer war ein gewisser Georg Götz. Elektro-, Gas- und Wasserinstallationen bot er an, in der Schwabacher/Höhe Marienstraße.
Es war das Jahr 1917, die Zeit der Gaslaternen, deshalb hieß der Laden wohl nicht von Anfang an ,Elektro Götz‘, meint Mund. Zwei Umzüge
folgten, in die Schwabacher Straße 34 (heute: Vodafone), und 1960 — Inhaber war nun Dieter Munds Vater, der Elektromeister Hans Mund — ums
Eck in die Mathildenstraße. 1973 starb Hans Mund. Als angehender Elektromeister übernahm sein Sohn den Laden — und den Namen Götz. „Denn
der war damals schon ein Begriff in Fürth.“
Mund sagt eigentlich nicht Fürth, er sagt Fädd. Wenn er aber in schönster Mundart erklärt, dass in seiner Branche die „Leuchdn in die Lambm
kommt“ und schelmisch grinsend hinzufügt, dass „fürn Fädder die Leuchdn halt immer a Lambm“ bleibt, wird klar: Mund ist tief verwurzelt in
seiner Stadt, und verwurzelt ist auch das Geschäft. Samt Schaufenstern. „Der Kunde“, meint Mund, „muss sehng, was mir ham. Täten wir da a
anzigs Trumm neistelln und mords beleuchdn, der Kunde wär’ verschreckt.“
Während seine Frau im Laden immer neue Kunden bedient, fummelt Dieter Mund hinten in der Werkstatt ein Kabel in eine Hängelampe hinein. Eine
Verlängerung, Altbau. Der abgewetzte Tisch dient als Schreibtisch und als Werkbank. Ringsum in den Regalen stapeln sich hoch hinauf, bis
unter die Decke, teils vergilbte Schachteln. Was drin ist, steht handgeschrieben drauf: Tulpenstecker, Winkelstecker, Gummistecker. Mund
blickt auf. „Die Leut’ song: ,Wennsd was brauchsd, gehsd zum Götz, der machd a Schachtel auf und find’ scho wos.’ Und mir sin’ die Götz.“
Und die sehnen die vieldiskutierten blühenden Einkaufstempel City-Center und Breitscheidstraße herbei. Denn: Der Umsatz geht zurück, sagt
Mund, der Laden lebt vom Handwerksbetrieb, von den Reparaturen und Installationen. Obwohl Menschen wie Anni Wild genau wissen, was sie an
„ihrem Götz“ haben. Gestützt auf einen Gehstock, betritt die zierliche 89-Jährige das Geschäft, schmettert ein überraschend kraftvolles
„Grüß Gott, Frau Mund“ in den Raum und klagt sogleich: „Ich brauch a neue Lampe über Herd und Spüle, Frau Mund. Für das Rumgekraxel beim
Birnwechsel bin ich zu alt, und bittschön, wenn’s was hätten, dass ich zum Ein- und Ausschalten net immer mit’m Kochlöffel nauflangen
muss...“ Jutta Mund, eigentlich gelernte Schuhverkäuferin, nickt, grübelt kurz, greift hierhin, dorthin, und hat schon die Lösung in der
Hand: einen Zweifachstrahler. Nur, sagt sie: „Da müsst’ mer halt a Löchle neibohrn, für’n Zugschalter. Und damit Sie die Schnur erwischen“,
fügt sie hinzu und nimmt die zarte Dame augenzwinkernd in den Arm, „häkel mer halt a Verlängerung.“ Anni Wilds besorgte Miene ist wie
weggeblasen. „Jawoll, so mach mer des“, ruft sie kichernd. „Und der liebe Mann, der macht’s mir dann wieder auf? Ach, Frau Mund, Sie wissen
ja nicht, wie glücklich ich bin...“
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Fehrs Frische-Rezept
Geschäfte mit Geschichte: Bäckerei hält sich seit 1893 - 19.10. 11:00 Uhr
FÜRTH - Unsere Serie „Geschäfte mit Geschichte“ stellt alteingesessene Fürther Einzelhändler vor, die den Großen ihrer
Branche ausdauernd, erfolgreich und bisweilen etwas trotzig Paroli bieten. Folge sieben: die Bäckerei Fehr in der Leyher
Straße.
„Die Leut’ verstehen ihr Handwerk“: (von links) Monika Fehr senior, Simon Fehr, Monika Fehr junior mit Töchterchen
Christine und Andreas Fehr.
Kaufmannsläden wie diesen gab es früher an allen Ecken und Enden der Stadt. Die Kaffeepackungen präsentieren sich hier
noch schräg aufgereiht im Regal, und die Tür steht nicht sommers wie winters sperrangelweit offen, um die Kundschaft mit
dem Duft frischer Brötchen anzulocken wie das Licht die Motten. Wer „zum Fehr“ kommt, steigt wie eh und je zwei Steinstufen
hinauf, schiebt sich dann mitsamt der Ladentür hinein in einen schmalen Verkaufsraum und blickt auf Käsekuchen und
Käsestangen hinter Glas. Alles erstklassige Ware, das suggerieren auch die Meisterbriefe oben an der Wand.
Es ist Mittagszeit. Die Kunden kommen und gehen. „Rrrrring“ schrillt es, sobald die Tür geöffnet wird, jetzt also fast
pausenlos. Helmut Unhold verlässt das Geschäft — mit einer Tüte Butterhörnchen und seligem Lächeln. Der 56-Jährige hat
früher ums Eck eine kleine Rucksacknäherei betrieben. Damals war er Stammkunde in der Bäckerei. Dann hat es ihn nach
Hersbruck verschlagen. Doch wenn er kann, kommt er vorbei — wegen dem Bienenstich und den Hörnchen... Schwärmerisch
verdreht Unhold die Augen, und im Gehen ruft er: „Die Leut’ verstehen ihr Handwerk.“
Hinten in der Backstube leert Andreas Fehr gerade zwölf Flaschen Rotbier in blaue Eimer. Erste Vorbereitungen für ein Brot
namens „Bierkruste“ sind es, „und das hier wird mein Quellstückla“, erklärt der 31-jährige Bäckermeister. Hafer, Leinsamen
und Sonnenblumenkerne soll das Bier, das Fehr von der Gostenhofer Kleinbrauerei Schanzenbräu bezieht, über Nacht aufsaugen
und leichter verdaulich machen.
2005 hat Andreas Dronsgalla, wie er damals hieß, eingeheiratet in den Fehr’schen Familienbetrieb, seit diesem April führt
er ihn zusammen mit seiner Frau Monika (35). In vierter Generation versorgen die Eheleute und Eltern einer zweijährigen
Tochter vor allem die vielen Stammkunden aus der Südstadt mit ihren Brotspezialitäten, mit der Sonnenkruste, dem Herbstlaib
oder eben der Bierkruste.
Im Jahr 1893 trugen die Brote keine so klangvollen Namen. Als Monika Fehrs Urgroßeltern Simon und Wilhelmine Fehr das
Geschäft in der Leyher Straße 7 aufmachten, das heute zu Fürths ältesten Bäckereien zählt, gab es Roggen- und Weizenbrot,
Obstkuchen und Marmorschatt. Der Backofen wurde anfangs mit Holz, später mit Briketts befeuert, ehe er mit Gas betrieben
wurde.
Monika Fehrs Vater Simon Fehr ist nun 71 Jahre alt. Wenn er nicht mit Enkelin Christine, wie jetzt, Spielzeugautos über
den Fußboden schiebt, packt er nach wie vor in der Backstube mit an. Deren Herzstück ist seit dem Frühjahr ein Umluftofen,
der auf vier Etagen Platz für 40 Vierpfünder bietet, topmodern und elektronisch gesteuert. Simon Fehr erhebt sich, klopft
ein wenig Weiß von seiner Hose und berichtet von jener Zeit, als sein Vater August, Sohn des Firmengründers, hier der Chef
war und ihn Abend für Abend fragte: „Simon, hasd scho die Kulln kulld?“ Ja, sagt er, das Kohlenschaufeln und -schleppen war
einmal fester Bestandteil des Bäckerhandwerks. Dieser Knochenjob also
sollte sein Leben werden, obwohl er doch lieber Pfarrer geworden wäre.
„Aber damals wurde man nicht gefragt. Da hat der Sohn gemacht, was der Vater wollte.“ Simon Fehr musste sich daran
gewöhnen, früh um drei, halb vier aufzustehen. Der Vater ließ eine elektrische Leitung vom Erdgeschoss hinauf in die Kammer
legen, die der Junior unterm Dach bewohnte, damit er nicht zu spät zur Arbeit kam. Den schrillen Ton, der ihn da zu
nachtschlafener Zeit aus dem Bett holte, hat er noch im Ohr.
1995 übergab Simon Fehr das Geschäft an Sohn Gerhard, der den Beruf des Bäckers aber der Gesundheit wegen aufgeben musste.
Monika Fehr, die als Bäckereifachverkäuferin bei den Eltern und beim Bruder im Laden stand, wollte, sie erzählt es lachend,
„nie einen Bäcker heiraten“. Schließlich wusste sie, wie wenig Zeit für Privates bleibt, wenn Familie und Geschäft unter
einem Dach vereint sind. Dann kreuzte Bäckermeister Andreas Dronsgalla ihren Weg...
„Für meinen Mann ist der Beruf Berufung“, versichert Monika Fehr. Sie müsste es nicht sagen, man spürt es an der
Begeisterung, mit der er von den zwei Standbeinen des Betriebs redet, der Tradition einerseits, den alten Rezepturen, von
Aniskipf und Anisplätzla, und den neuen Wegen andererseits, der Kooperation mit der Kleinbrauerei etwa. Zukunftssorgen?
Andreas Fehr winkt ab. Alle Gegner der Großbäckereien seien doch potenzielle Kunden, meint er. Und: „Von meinem Ofen bis
zum Laden sind es 20 Schritte.“ Ein kurzer Weg, der im Geschäft mit sensiblem
Backwerk vor allem eins bedeute: „Frische“.
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