P R O J E K T E
Die hier aufgeführten Projekte sind natürlich nicht nur meine Projekte, ich beteilige mich aber mehr oder weniger intensiv daran.
Projekt "hören, was andere sehen"
Einer langen Vorgeschichte bedarf es hierfür nicht, die folgenden Zeitungsartikel beschreiben sehr gut den Projekthintergrund.
Abendzeitung, Region Mittelfranken, 09.08.2005
Page: Ein Herz für Sehbehinderte
Kopfhörer im Stadion: Dafür versteigert Fürths Profi Klamotten
Foto: Wolfgang zink
Bildbeschreibung: Auktionator und Nutznießer: Frederic Page (links) und der blinde Holger
Ahrens, dem unter anderem die Aktion von Page zu Gute kommen soll.
FÜRTH Super Frederic Page: Der 26-Jährige Sunnyboy von Greuther-Fürth versteigert auf
seiner Homepage Klamotten aus seiner begehrten Greuther-Fürth-Kollektion der vergangenen
Saison. Mit dem Erlös sollen Plätze im Playmobil-stadion mit Kopfhörern ausgestattet
werden. Damit Blinde, wie Holger Ahrens, die Spiele der Kleeblätter live im Stadion
erleben können, in dem sie hören, was andere sehen.
Der 31-jährige Holger Ahrens ist, seit er denken kann, Fan der Fürther. „Weil es ihnen
trotz des Erfolges gelungen ist, immer bodenständig zu bleiben. Sie sind nie größenwahnsinnig geworden." Natürlich war er auch
schon oft im Stadion, hat aber meistens erst immer mit Verspätung und durch das Gebrüll der Menschen um ihn
herum mitbekommen, was auf dem Spielfeld gerade passiert.
Mit den Kopfhörern ändert sich das. „Ein Kommentator, der auf der Haupttribüne sitzt,
schildert den Blinden, wer wen fault, wer am Ball ist", erzählt Udo Zweckerl von den
Sportfreunden Ronhof.
Die Kosten für eine Kopfhörer-Ausrüstung liegen zwischen 3000 und 7000 Euro. Bis gestern
lag das Höchstgebot für die Kollektion von Page allerdings erst bei 226 Euro.
„Warum soll ich die Sachen verschenken, wenn ich Menschen damit helfen kann", sagt
Frederic, der symphatische Schweizer, „Menschen, die unseren Sport nicht sehen, aber
trotzdem dabei sein wollen. Ich war mal mit Freunden in Berlin in der Unsichtbar (Ein
Restaurant, indem es
stockfinster ist, d. Red.), drei Stunden lang. Da habe ich zum ersten Mal in meinem Leben
gemerkt, wie schön es ist, sehen zu können."
Deshalb hat er auch gar nicht lange überlegt, als Fürths Pressesprecher Christian Riedle
ihm von der Aktion des überregionalen Fußballklubs "Sehhunde" erzählt hat, der durch sein
Engagement dafür gesorgt hat, dass schon einige Erstliga-Stadien mit diesen Kopfhörer-Plätzen ausgestattet sind - u. a. Leverkusen und Hamburg. Fürth wäre der erste
Zweitliga-Club, der sich für die Blinden engagiert.
Die Internet-Auktion von Frederic Page dauert noch bis heute Mittag. Also, schnell mal
klicken auf www.fredericpage.com. Wer zu spät kommt, aber trotzdem helfen will, darf das
natürlich gerne. „Die SpVgg beschäftigt sich mit der Einrichtung eines Spendenkontos", sagt Riedle, „wir
wollen das Projekt auf alle Fälle realisieren, am besten noch in der Hinrunde."
Dann wäre nicht nur Page super, sondern auch Greuther Fürth.
Nicole Salamon
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| „Erfühlte“ Tore |
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Neue Technik für Sehbehinderte im Fürther Ronhof |
| FÜRTH — Wie berichtet, plant die
SpVgg Greuther Fürth als erster Fußball-Zweitligist die Anschaffung
eines so genannten Beyerdynamic-Systems. Mit dem Gerät, das gut 5000
Euro kostet, soll pro Partie fünf Sehbehinderten eine Live-Reportage im
Stadion geboten werden. Die neue Technik wird erstmals in vier Wochen,
beim Heimspiel gegen Siegen, getestet. Einer ihrer Nutznießer ist
Holger Ahrens (31) von den „Sportfreunden Ronhof“. Der Verein hatte
die Aktion initiiert. Herr Ahrens, wie wird man als Blinder Fußballfan? Ahrens: Das Interesse daran hat ja nichts damit zu tun, ob ich sehen kann oder nicht. Aber um sich für etwas zu begeistern, muss man doch eine Vorstellung davon haben. Können Sie erahnen, wie das ist, wenn der Ball ins Netz fliegt? Ahrens: Natürlich war ich schon mal auf einem Fußballplatz und habe die Pfosten und das Netz eines Tores erfühlt. Und einen Ball habe ich auch schon in der Hand gehabt. Wenn mir dann Freunde oder Bekannte den Vorgang schildern, kann ich mir schon vorstellen, wie ein Treffer erzielt wurde. Bekommen Sie auch mit, wenn es richtig spannend wird? Ahrens: Ich höre halt die Umgebungsgeräusche, das Schreien oder Stöhnen der Leute. Nur die Ursache der Aufregung erfahre ich immer erst etwas später als alle anderen, weil sie mir jemand erklären muss. Geht für Sie nicht viel von der Stadionatmosphäre verloren, wenn Sie künftig einen Kopfhörer tragen und nur noch die Schilderung Ihres Reporters mitbekommen? Ahrens: Diese Kopfhörer sind keine Geräte, durch die überhaupt nichts anderes mehr ans Ohr dringt. Wir werden sicher Modelle aussuchen, die gewährleisten, dass ich meine Umgebung noch wahrnehme. Ansonsten könnte ich mich auch daheim vors Radio setzen. Sinn des Projekts soll ja sein, dass ich eine Kombination habe aus dem Stadionerlebnis und der aktuellen Beschreibung der Vorgänge auf dem Spielfeld. Welche Befähigung müssen Ihre Helfer, die Reporter, mitbringen? Ahrens: Fußballkenntnisse und eine gewisse Sprachbegabung sollten schon vorhanden sein. Aber wir erwarten natürlich keine professionelle Reportage, schon gar nicht von Anfang an. Ich könnte mir vorstellen, dass beide Seiten versuchen, ihre Vorstellungen allmählich anzugleichen. Ist das Ganze eine Einbahnstraße oder können Sie während des Spiels auch mit dem Mann im Ohr sprechen? Ahrens: Das wäre natürlich sehr gut, wenn das ginge. Aber wir wissen momentan noch nicht, ob es technisch umsetzbar ist. In den Stadien, in denen das Projekt schon läuft, ist es so, dass sich der Sprecher in der Nähe der Personen aufhält, für die er kommentiert. Dadurch ist der Kontakt gewährleistet. Haben Sie schon genug Sprecher zusammen? Ahrens: Nein, es werden noch welche gesucht. Wer interessiert ist, kann sich an die SpVgg wenden. Ein entsprechendes technisches Angebot gibt es in der Bundesliga bereits in mehreren Stadien. Wird das eigentlich genutzt? Ahrens: So weit ich weiß, herrscht in Leverkusen, wo die erste Anlage installiert wurde, eine rege Nachfrage. Auch in Köln sowie beim Hamburger SV und dem FC St. Pauli sind die Plätze für Sehbehinderte meist besetzt. Wie groß ist die Zielgruppe in Fürth? Ahrens: Auf Grund der bisherigen Aktionen der SpVgg Greuther Fürth, die uns absolut traumhaft unterstützt, haben wir diverse Anfragen bekommen von Menschen, die dieses neue Angebot sehr dankbar zur Kenntnis genommen haben. Sie hatten halt bisher das Problem, dass sie immer eine Begleitperson brauchten. Aber um ins Stadion zu kommen, brauchen Sie diese doch nach wie vor? Ahrens: Nicht unbedingt. Die „Sportfreunde Ronhof“ werden ehrenamtlich eine Art Hol- und Bringdienst organisieren. Interview: KURT HEIDINGSFELDER |
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1.9.2005 0:00 MEZ |
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© FÜRTHER NACHRICHTEN |
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Druckversion Artikel aus Lokales Fürther Nachrichten
Hören, was andere sehen können
Zwei Sprecher informieren Blinde bei Fußballspielen über alle Einzelheiten
„Hören, was andere sehen“ lautet das Motto des Projektes, mit dem die SpVgg Greuther Fürth
künftig sehbehinderten Menschen einen spannenden Fußballnachmittag im Playmobilstadion ermöglichen kann. Über
Kopfhörer erhalten sie im Stadion eine Live-Reportage vom Geschehen auf dem Rasen.
FÜRTH — Der blinde Fan Holger Ahrens von den „Sportfreunden Ronhof“ konnte sich mit einigen
anderen beim gestrigen Heimspiel gegen den Karlsruher SC von der neuen Technik überzeugen - und ist begeistert.
Vier Minuten nach drei Uhr im Playmobilstadion: Gefühlvoll tritt Hans-Hendrik Andreasen den
Ball von der Eckfahne in den Karlsruher Strafraum. Mannschaftskamerad Christian Eigler schraubt sich hoch und bugsiert den Ball mit dem Kopf in Richtung Tor. Noch
bevor der Ball wirklich im Netz zappelt, reißt Holger Ahrens auf der Haupttribüne bereits die Arme in die Höhe. „Wahnsinn, so schnell kriege ich die Tore
normalerweise gar nicht mit“, freut sich der 31-jährige Kleeblattfan.
Zusätzlich zur Stadionatmosphäre, die ihm die anderen Zuschauer liefern, bekommt er über
Kopfhörer jetzt auch jede Kleinigkeit auf dem Spielfeld direkt mit.
Für die Live-Reportage sorgen Oliver Ludhardt und Stefanie Dietsch vom Nürnberger Radiosender
AFK max in ehrenamtlicher Arbeit. Die beiden sitzen auf der Pressetribüne und informieren die Sehbehinderten 90
Minuten ununterbrochen über das Spielgeschehen.
Wechsel im Fünf-Minuten-Takt
Ob Trainer Möhlmann dabei wutentbrannt von der Trainerbank aufspringt, oder der Ball langsam
ins Seitenaus kullert, jede Kleinigkeit versuchen Dietsch und Ludhardt ins Mikrofon zu sprechen. „Alleine wäre das natürlich viel zu anstrengend, deshalb
wechseln wir uns alle drei bis fünf Minuten ab“, erklärt Oliver
Ludhardt. Eine besondere Schwierigkeit sei außerdem, das komplette Geschehen in Worte zu
fassen. „Beim Fußball geht es so zackig, da muss man aufpassen, dass man seine Sätze rechtzeitig beendet hat, bevor das nächste Tor fällt“, sagt Kollegin
Dietsch lachend. Da sie selbst Kleeblatt-Fan ist, fällt es ihr
jedoch nicht schwer, eine leidenschaftliche Reportage zu liefern.
Genau das begeistert auch Fan Holger Ahrens. „Die Sprecher sind klasse. Sie bringen Emotionen
rein, so dass man das Spiel intensiver miterleben kann. Mancher Fernsehreporter sollte sich da eine Scheibe abschneiten“, lobt der 31-Jährige.
Dass er sich künftig die Live-Reportage nach Hause übertragen lässt, um sich den Weg ins
Stadion zu sparen, kommt für Ahrens bei aller Begeisterung dennoch nicht in Frage. „Hier habe ich die tolle Stadionatmosphäre, und auch wenn ich nichts sehe, bin
ich trotzdem nah am Geschehen.“
Die technische Ausstattung für den neuen Service ist bisher übrigens nur gemietet. 5000 bis
7000 Euro betragen die Anschaffungskosten. Auf einem Spendenkonto hat der Fußballverein jedoch bereits 2500 Euro zusammen, berichtet Pressesprecher Christian
Riedle. Sollte das Angebot wie erwartet angenommen werden,
wird man die Anlage dann auch erwerben.
Sehbehinderte, die in den Genuss des neuen Beyerdynamic-Systems im Playmobilstadion kommen
möchten, können sich darüber beim Verein unter der Telefonnummer
(09 11) 9 76 76 80 oder per E-Mail-Anfrage unter
info@greuther-fuerth.de
informieren.
MATTHIAS KAMM
(Bericht über das gestrige Spiel im Sportteil)
31.10.2005 0:00 MEZ
©FÜRTHER NACHRICHTEN
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Die beiden Artikel des Fränkischen Tags, Bamberg, liegen leider nur im PDF-Format vor:
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Live-Reportage für drei Blinde
Kommentatorin Stefanie Dietsch über das Projekt «Hören, was andere sehen»
FÜRTH - Seit Oktober 2005 gibt es im Ronhof das Projekt «Hören, was andere sehen», bei dem die Spiele der SpVgg für blinde Fans kommentiert
werden. Eine der ehrenamtlichen Kommentatorinnen ist Stefanie Dietsch. Wir sprachen mit der 24-jährigen freien Journalistin vor dem
Heimspiel gegen den TSV 1860 München über den Verlauf des Projekts, besondere Momente und den eventuellen Aufstieg des Kleeblatts.
Frau Dietsch, wie stehen Sie als Nürnbergerin eigentlich zum Kleeblatt?
Dietsch: Ich bin zwar gebürtige Nürnbergerin, wohne aber ganz nahe der Stadtgrenze. Und ich bin Kleeblatt-Fan. Schon als Kind hat mich mein
Vater zu den Heimspielen in den Ronhof mitgenommen, das war Mitte der 90er Jahre. Das ist also familiär bedingt, denn mein Vater ist schon
seit fast 50 Jahren Mitglied bei der Spielvereinigung.
Wie kamen Sie als Kommentatorin zum Projekt «Hören, was andere sehen»?
Dietsch: Ich habe damals bei einem Nürnberger Radiosender gearbeitet und wir wurden angerufen, ob wir Interesse an der Arbeit hätten. Mein
Kollege Christian Rupp und ich haben spontan ja gesagt.
Welches war Ihr erstes Spiel im Ronhof in der neuen Funktion?
Dietsch: Das war gegen den KSC. In der Pause stand es 1:0 für die Fürther und wir wurden interviewt. Ich habe damals auf einen 3:1-Endstand
getippt. Ein Raunen ging durchs Stadion und viele dachten bestimmt, das ist ein typischer Frauentipp ohne Sachverstand. Doch ich sollte
Recht behalten, das Spiel ging tatsächlich 3:1 aus.
Nun kommentieren Sie ja für Blinde. Worauf müssen Sie da besonders achten?
Dietsch: Wir suchen stets den Kontakt zu den Blinden, damit wir auch wissen, was sie hören wollen, was für sie wichtig ist. Entscheidend ist
es, viel mit Meterangaben zu arbeiten, die Spielminuten regelmäßig zu erwähnen und die Spielpositionen gut zu beschreiben. Wir müssen uns
immer bewusst machen, dass unsere Zuhörer ja nichts sehen. In der Halbzeit besprechen wir uns mit den Blinden dann regelmäßig und stimmen
uns ab. Wenn Fans des Gegners dabei sind, dann gibt es auch vor der Partie eine kurze Besprechung.
Gab es schon kuriose Erlebnisse?
Dietsch: Einmal waren nach 70 Minuten in einem Spiel die Akkus der Empfangsgeräte leer. Wir haben uns dann zu den Blinden gesetzt und
abwechselnd von links und rechts lautstark direkt ohne Mikrofon reportiert. Das war ein wenig kurios, aber den Blinden hat es gefallen.
Wie ist das Feedback generell?
Dietsch: Wir bekommen eigentlich immer Lob. Interessant dabei ist, dass die Blinden eine Partie und auch die Leistung einzelner Spieler
hinterher gut einordnen können, obwohl wir bei der Reportage um Neutralität bemüht sind und keine Bewertungen vornehmen. Das spricht dafür,
dass es funktioniert.
Klappt die neutrale Herangehensweise immer?
Dietsch: (lacht) Na ja, gegen den Club kann schon mal ein kleiner Seitenhieb kommen, aber auch da haben wir ja gegnerische Fans, für die wir
arbeiten. Da ist es in erster Linie wichtig, dass wir unsere Arbeit gut machen.
Für wie viele Menschen kommentieren Sie eigentlich?
Dietsch: Diesbezüglich ist das Projekt noch ausbaufähig. Im Schnitt sitzen drei Blinde auf der Tribüne und hören uns zu. Theoretisch könnten
wir aber für bis zu 16 Leute kommentieren.
Gibt es keine Werbeaktionen?
Dietsch: Doch. Die Behindertenbeauftragten des Vereins, Tanja Faltin und Mareike Kamm, wollen zukünftig verstärkt beispielsweise in
Blindenschulen die Werbetrommel rühren und wir hoffen, dass dann auch noch mehr kommen werden, um uns zu hören.
Wie ist die Unterstützung für das Projekt durch Verband und Verein?
Dietsch: Das Projekt wurde vom Verein «Sehhunde», einem Fanclub für blinde Fans aller Vereine, ins Leben gerufen. Von Seiten der Deutschen
Fußball-Liga existieren keine Vorgaben, dass es derartige Projekte geben muss. Aber erst Ende Januar gab es in der Sportschule Kaiserau von
DFL-Seite aus ein Seminar für die Kommentatoren, bei dem auch der bekannte Sportreporter Manni Breuckmann und der Ex-Schiedsrichter Hellmut
Krug Referate gehalten haben. Es wird sich also schon gekümmert. Auch die Unterstützung von Seiten der SpVgg ist sehr gut, man kommt uns
absolut entgegen.
Freuen Sie sich auf die Atmosphäre im Spiel gegen 1860 München, wenn der Ronhof wohl deutlich voller sein wird als normalerweise?
Dietsch: Klar heizt so etwas auch die Atmosphäre an. Das kriegen die Blinden auch mit und man muss das für sie auch transportieren.
Und wie geht das Spiel gegen die «Löwen» aus?
Dietsch: Ich weiß, dass 2:1 das Ergebnis ist, auf das jeder tippt. Aber trotzdem: Wir gewinnen 2:1. Und dann glaube ich auch weiterhin ganz
fest an den Aufstieg.
Interview: MARKUS RIEDL
19.3.2009
© FÜRTHER NACHRICHTEN
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Auszug von www.br-online.de
Freitag, 14. Mai 2009
Fürther Blindenreporter
Am 14. Mai sind zwei Blindenreporter am on3-Sendebus und berichten darüber, wie sie blinden Fußballfans ein Duell näher bringen. Christian
(23) und Stefanie (24) arbeiten ehrenamtlich im Playmobil-Stadion Fürth. Sie kommentieren dort die Spiele der SpVgg Greuther Fürth für die
blinden Fans des Vereins. Das Projekt "Hören, was andere sehen" wurde 2005 von Holger Ahrens, der Faninitiative "Sportfreunde Ronhof" und
der SpVgg Greuther Fürth ins Leben gerufen. In Anlehnung an bereits existierende Aktionen in England soll es auch im Playmobil-Stadion
möglich sein, blinden Zuschauern das Fußballspiel mittels entsprechenden Geräten und sogenannten "Blindenreportern" anschaulich zu machen.
Die ARD-Themenwoche Ist doch Ehrensache!
Von Dienstag, 12. Mai bis Freitag, 15. Mai, zwischen 15 und 16 Uhr bei on3-südwild.
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Live-Reportage für drei Blinde
Kommentatorin Stefanie Dietsch über das Projekt «Hören, was andere sehen»
FÜRTH - Seit Oktober 2005 gibt es im Ronhof das Projekt «Hören, was andere sehen», bei dem die Spiele der SpVgg für blinde Fans kommentiert
werden. Eine der ehrenamtlichen Kommentatorinnen ist Stefanie Dietsch. Wir sprachen mit der 24-jährigen freien Journalistin vor dem
Heimspiel gegen den TSV 1860 München über den Verlauf des Projekts, besondere Momente und den eventuellen Aufstieg des Kleeblatts.
Frau Dietsch, wie stehen Sie als Nürnbergerin eigentlich zum Kleeblatt?
Dietsch: Ich bin zwar gebürtige Nürnbergerin, wohne aber ganz nahe der Stadtgrenze. Und ich bin Kleeblatt-Fan. Schon als Kind hat mich mein
Vater zu den Heimspielen in den Ronhof mitgenommen, das war Mitte der 90er Jahre. Das ist also familiär bedingt, denn mein Vater ist schon
seit fast 50 Jahren Mitglied bei der Spielvereinigung.
Wie kamen Sie als Kommentatorin zum Projekt «Hören, was andere sehen»?
Dietsch: Ich habe damals bei einem Nürnberger Radiosender gearbeitet und wir wurden angerufen, ob wir Interesse an der Arbeit hätten. Mein
Kollege Christian Rupp und ich haben spontan ja gesagt.
Welches war Ihr erstes Spiel im Ronhof in der neuen Funktion?
Dietsch: Das war gegen den KSC. In der Pause stand es 1:0 für die Fürther und wir wurden interviewt. Ich habe damals auf einen 3:1-Endstand
getippt. Ein Raunen ging durchs Stadion und viele dachten bestimmt, das ist ein typischer Frauentipp ohne Sachverstand. Doch ich sollte
Recht behalten, das Spiel ging tatsächlich 3:1 aus.
Nun kommentieren Sie ja für Blinde. Worauf müssen Sie da besonders achten?
Dietsch: Wir suchen stets den Kontakt zu den Blinden, damit wir auch wissen, was sie hören wollen, was für sie wichtig ist. Entscheidend ist
es, viel mit Meterangaben zu arbeiten, die Spielminuten regelmäßig zu erwähnen und die Spielpositionen gut zu beschreiben. Wir müssen uns
immer bewusst machen, dass unsere Zuhörer ja nichts sehen. In der Halbzeit besprechen wir uns mit den Blinden dann regelmäßig und stimmen
uns ab. Wenn Fans des Gegners dabei sind, dann gibt es auch vor der Partie eine kurze Besprechung.
Gab es schon kuriose Erlebnisse?
Dietsch: Einmal waren nach 70 Minuten in einem Spiel die Akkus der Empfangsgeräte leer. Wir haben uns dann zu den Blinden gesetzt und
abwechselnd von links und rechts lautstark direkt ohne Mikrofon reportiert. Das war ein wenig kurios, aber den Blinden hat es gefallen.
Wie ist das Feedback generell?
Dietsch: Wir bekommen eigentlich immer Lob. Interessant dabei ist, dass die Blinden eine Partie und auch die Leistung einzelner Spieler
hinterher gut einordnen können, obwohl wir bei der Reportage um Neutralität bemüht sind und keine Bewertungen vornehmen. Das spricht dafür,
dass es funktioniert.
Klappt die neutrale Herangehensweise immer?
Dietsch: (lacht) Na ja, gegen den Club kann schon mal ein kleiner Seitenhieb kommen, aber auch da haben wir ja gegnerische Fans, für die wir
arbeiten. Da ist es in erster Linie wichtig, dass wir unsere Arbeit gut machen.
Für wie viele Menschen kommentieren Sie eigentlich?
Dietsch: Diesbezüglich ist das Projekt noch ausbaufähig. Im Schnitt sitzen drei Blinde auf der Tribüne und hören uns zu. Theoretisch könnten
wir aber für bis zu 16 Leute kommentieren.
Gibt es keine Werbeaktionen?
Dietsch: Doch. Die Behindertenbeauftragten des Vereins, Tanja Faltin und Mareike Kamm, wollen zukünftig verstärkt beispielsweise in
Blindenschulen die Werbetrommel rühren und wir hoffen, dass dann auch noch mehr kommen werden, um uns zu hören.
Wie ist die Unterstützung für das Projekt durch Verband und Verein?
Dietsch: Das Projekt wurde vom Verein «Sehhunde», einem Fanclub für blinde Fans aller Vereine, ins Leben gerufen. Von Seiten der Deutschen
Fußball-Liga existieren keine Vorgaben, dass es derartige Projekte geben muss. Aber erst Ende Januar gab es in der Sportschule Kaiserau von
DFL-Seite aus ein Seminar für die Kommentatoren, bei dem auch der bekannte Sportreporter Manni Breuckmann und der Ex-Schiedsrichter Hellmut
Krug Referate gehalten haben. Es wird sich also schon gekümmert. Auch die Unterstützung von Seiten der SpVgg ist sehr gut, man kommt uns
absolut entgegen.
Freuen Sie sich auf die Atmosphäre im Spiel gegen 1860 München, wenn der Ronhof wohl deutlich voller sein wird als normalerweise?
Dietsch: Klar heizt so etwas auch die Atmosphäre an. Das kriegen die Blinden auch mit und man muss das für sie auch transportieren.
Und wie geht das Spiel gegen die «Löwen» aus?
Dietsch: Ich weiß, dass 2:1 das Ergebnis ist, auf das jeder tippt. Aber trotzdem: Wir gewinnen 2:1. Und dann glaube ich auch weiterhin ganz
fest an den Aufstieg.
Interview: MARKUS RIEDL
19.3.2009
© FÜRTHER NACHRICHTEN
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Rechtliche Hinweise entnehmen Sie bitte dem Impressum.
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